Am Freitag hab ich daheim auf meinem Sofa gesessen und den Livestream von bleibtzuhause.tv verfolgt. Chris, ein Freund von mir, wurde 40 und „feierte“ indem er verschiedene Gäste wie bei einer Talkshow im Livestream traf. Mit eigenen Veranstaltungen und als Vermarkter-Experte der Redrum Rock-Bar ist Chris tief in der Branche verankert. So passte es, seine Geburtstagsfeier als Event auf einem Kanal zu streamen, der ansonsten Livemusik überträgt.

Harte Bart- und Kuttenträger saßen im Abstand beisammen und redeten im Laufe des feuchtfröhlichen Abends plötzlich von einer „Mainstream Sängerin“, die ihnen überraschen gut gefallen hat. Die Beschreibung macht schnell klar: Es geht um Billie Eilish. (Link zum Stream)

Billie ist eine junge Sängerin, gerade einmal 18 Jahr alt, aus Los Angeles.

Sie hat die Charts in den letzten Jahren im Sturm erobert, reihenweise Grammys gewonnen und sogar den Titelsong zum neuen Bond Film geliefert, der leider wegen Corona noch nicht Premiere feiern durfte.
Auffallen tut sie auf den ersten Blick durch ihre leuchtend grünen Haare und den Baggy Style ihrer Kleidung. Die trägt sie konsequent, da es ihre Absicht ist, als Künstlerin wahrgenommen zu werden, ohne dass jemand auf ihren Körper achtet. Kaum zeigte sie sich später im Tank Top oder wurde von Paparazzi erwischt, wurde es dann doch zum großen Thema.
Schon sehr traurig, denn bei den Metal Typen ist es egal, wie ihre Figur aussieht. Da geht es ja angeblich immer nur darum, wie talentiert jemand an den Instrumenten ist. Genau so sollten Musikerinnen auch beurteilt werden dürfen.

Fotos: Universal Music

Billie singt nur, spielt also kein Instrument auf der Bühne (außer bei manchen Songs eine Ukulele), aber sie hat dieses so sehr von den Metalheads gewünschte Talent. Vor allem ist sie kreativ und für den Pop Bereich mutig.
„Pop“ ist ihre Musik eigentlich nur, weil die Promotion an den Mainstream gerichtet ist. Die Songs sind fürs Radio, für die Clubs, für die junge Generation und die große Bühne gedacht; außerdem steht Billie als Person im Fokus anstatt Teil einer Band zu sein. Einzig ihr Bruder Finneas O’Connell ist als Instrumentalist, Produzent und Co-Writer an ihrer Seite der Öffentlichkeit bekannt. Aber sie sind eben keine „Band“ und Eilish sieht sich nicht als Teil einer festen Underground-Szene wie dem Punk oder Goth oder Grunge. Deswegen ist sie „Pop“.

Pop Girls auf Abwegen?

Aber um „typisch Pop“ zu sein, ist alles an ihr und ihrer Musik zu düster und zu anders. Ihre Texte handeln zwar auch von Liebe und vom Feiern, aber sie gehen tiefer, wollen schockieren. Die Videos sind kunstvoll-abstrakt. Genau damit erregt sich auch die Aufmerksamkeit der hart gesottenen Kuttenträger. Und wird nicht von ihnen verlacht. Obwohl sie ein junges Mädchen ist, das vom harten Rock’n’Roll ja keine Ahnung hat.

Unter anderem geht Miley Cirus immer mehr in die rockige Richtung und covert munter die Songs ihrer Lieblingskünstler. Allerdings hat sie als Disney Girl gestartet und wird dieses Image nicht direkt los. Sie hat es schwerer, ernst genommen zu werden. Ich zeige euch mal ein Video, bei dem sie Joan Jett covert, denn ich finde das passt ganz gut. Der Auftritt ist nicht perfekt, aber aus dem Grund, dass sie live singt. Nix mit Playback. Und das ist doch, was ihr von einem Künstler wünscht:

Sich Respekt verschaffen wie „Mother Monster“

Die letzte Pop-Solokünstlerin, die es wirklich geschafft hat, auch in den alternativeren Kreisen ernst genommen wird, ist eben Lady Gaga.

Ihre Songs sind fröhlich-optimistischer als die von Billie, ihr Modestil eindeutig mehr körperbetont. Aber sie beide möchten nicht als stets gut gelaunte, hübsche „sauber-Image“ Frauen wahrgenommen werden – und werden es zum Blück auch nicht. Sie schaffen Kunst und sie ecken an und sie haben etwas zu sagen. Das öffnet ihnen neue Türen und beschert neue Zuhörer.

Ich wünsche mir für Billie, dass sie genau so weiter macht. Dass sie zeigt, dass „populär“ nicht automatisch schlecht und oberflächlich ist. Übrigens wollte ich schon lange gerne diesen Song vorstellen. Er ist von Fergie von den Black Eyed Peas. Aber mit Slash 😉 Und er ist geil.

Weitere Songs von Billie:

Noch ein gutes Cover von Miley:

und noch dieses Meisterwerk zum Abschluss 🙂

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