Folgendes Szenario hat vor ein paar Wochen kleine Wellen geschlagen: Eine Sängerin schrieb in vielen Musiker-Gruppen, dass sie gerade ihre ersten zwei Songs fertig habe und nun einen Manager suche, der ihr bei „all dem Drumherum“ helfen könnte. Am besten aber jemand, der nicht beim Anblick von nackter Haut sofort sabbern würde!! – unterlegt mit einem Foto von sich, auf dem sie stark geschminkt und sexy posiert. So Fotos kann jeder posten wie er lustig ist, aber bei der Kombination musste ich schon ein wenig schmunzeln.
Als sie auf Gegenwind stieß, weil viele sagten, es sei bei ihrem Karrierestand noch zu früh für einen Manager, argumentierte sie nicht mit Gründen zurück, warum es doch schon Zeit für ein professionelles Management wäre – sondern postete weitere, noch mehr Haut zeigende Bilder von sich. Weil sie dachte, die Kritik hätte sie nur wegen der sexy Bilder bekommen und weil sie eine schöne Frau sei. Ab dann habe ich leider die Details vergessen, weil es mir zu blöd wurde.

Doch die wahre Frage, die sich hier stellt: War es wirklich zu früh, um nach einem Manager zu fragen?

Ab wann ist welche „Art“ von Manager angebracht?

Im Fall der beschriebenen Dame war ich eine von denen, die sie eher ausgebremst hat. Denn sie suchte direkt nach einem der großen Fische in der Branche. Unabhängig davon, ob sie vielleicht mit etwas Glück (oder nackter Haut^^) jemanden gefunden hätte, hat sie dadurch schon bei ihrem ersten Auftreten einen etwas überheblichen, negativen Beigeschmack hinterlassen. Der ein oder andere Akteur der Branche merkt sich das vielleicht und gibt ihr später, wenn ihr Erfolg insgesamt gewachsen ist, keine Chance auf eine Zusammenarbeit.

Es ist nicht hochnäsig, nach professioneller Unterstützung zu fragen, sondern ein positives Zeichen von Selbstbewusstsein und davon, dass man an sein eigenes Werk glaubt?
Jein. Hier macht zum einen der Ton die Musik, also mit welchen Worten und Ansprüchen man nach was fragt, und zum anderen würde ein wirklich seriöser Manager zu Beginn überhaupt nichts durch sie verdienen. Sie fragt also nach einem gratis Dienstleister.

Warum?
Weil seriöses Künstlermanagement so funktioniert, dass es ca. 20 Prozent von dem bekommt, was der Künstler durch vom Manager herbeigeschaffte Aufträge einnimmt. Bei eine*m Künstler*in, der oder die noch nicht einmal eine EP oder Demos fertig hat und kaum Liverfahrung, wird es zunächst nicht viele Umsätze geben; egal wie gut vernetzt das Management ist. Damit sich der Zeitaufwand des Managers oder der Managerin lohnt, wird er oder sie also eine Bezahlung vom Künstler verlangen. Und dann kann es ganz schnell passieren, dass es dem Manager egal wird, wie viele Aufträge der Künstler erhält. Denn er wird ja von diesem sowieso pro Stunde Aufwand bezahlt.

Man kann also als erste Richtlinie den Zeitpunkt nehmen, zu dem man regelmäßig Einnahmen durch seine Kunst erzielt.

photo by Pyrus Band

Ist es nicht der Job eines Künstlermanagers, diese Einnahmen zu ermöglichen?

Auch hier ist die Antwort wieder ein klares Jein. Denn ja, der Manager soll die Karriere des Künstlers fördern und so Einnahmen vergrößern. Allerdings kann er nicht zaubern und Geldquellen aus dem Nichts erschaffen. Die kreative Vorarbeit muss beim Solomusiker oder bei der Band liegen. Zudem haben sich die Zeiten geändert, wie man so schön sagt: Dadurch, dass es heutzutage möglich ist, auch ohne fremde Hilfe über das Internet bekannt zu werden, wird es von Agenturen (leider?) auch vorausgesetzt, dass sich ein Künstler schon aus eigener Kraft ein kleines Publikum aufbauen konnte, und sich am besten auch schon als klar umfasste Marke etablieren konnte. Dann hat man nämlich direkt etwas, mit dem man arbeiten kann und muss dem Künstler nicht erst sagen, was er bitte tun soll und wie er zu sein hat. Wer an einen solchen Manager gerät, der sollte auch schnell schauen, dass er wen anders findet.

Am Anfang zählen persönliche Begeisterung und eigene Erfahrung

Was sinnvoll sein kann, ist, von Beginn an jemanden aus dem eigenen Umfeld zu wählen, der Talent darin hat, E-Mails zu schreiben, zu telefonieren und Termine zu koordinieren. Im allerbesten Fall ist es jemand aus der Band, denn derjenige weiß dann auch genau, was ihr macht und könnt und wollt. Oder eine andere Person, die sich persönlich für eure Kunst begeistert und Spaß an diesen Aufgaben hat, vielleicht etwas fürs eigene Resümee tun möchte. In dieser Phase solltet ihr als Künstler aber noch in alles so tief involviert sein wie möglich! Auch wenn es nervt: Macht eure Anmeldung bei der GEMA und der KSK selbst. Sucht selbst nach den ersten, gerne auch privaten Auftrittsmöglichkeiten. Sucht selbst nach Multiplikatoren, die über eure Releases berichten. Spielt auf Dorffesten und bei Wettbewerben, um auf euch aufmerksam zu machen und vor allem lokal oder Szene-intern eine Fanbase aufzubauen.

Der unschlagbare Vorteil davon: Ihr lernt, wie der Branchenhase läuft.

Wenn sich dann später die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen, gut vernetzten Management ergibt, könnt ihr nicht mehr so leicht übers Ohr gehauen werden. Ihr wisst, welche Planungen und Summen realistisch sind. Könnt die Arbeit eurer Agentur oder des Einzelmanagers besser einschätzen und mehr eigene Ideen beisteuern.

photo by Sextrow

Hättest du überhaupt genug Arbeit zu vergeben?

Zu guter Letzt: Für einen Manager muss es auch genug zu tun geben. Bei der Dame vom Anfang wäre die Frage: Was sollte ihr Manager überhaupt machen? Wenn es nur zwei Songs gibt, wo soll er Auftritte oder Deals besorgen? Wenn noch keine Anfragen im Postfach der Künstlerin landen, was soll er dann morgens beim ersten Kaffee tun? Viel eher würden an diesem Punkt hin und wieder die Dienste von anderen Akteuren benötigt, zum Beispiel die kurzfristige Unterstützung einer Promotion-Agentur für die Pressearbeit bei den ersten Veröffentlichungen oder die Hilfe durch einen Booker für erste Auftritte. Auch diese Kontakte könnt und sollt ihr aber gerade zu Beginn selbst aufnehmen, damit ihr auch ihre Arbeit kennt. Beginnt auch hier klein, szene-orientiert oder lokal, am besten durch persönliche Kontakte. Überlegt dabei: Wer könnte sich freuen, wenn ich meine Musik anbiete, statt durch hundert solcher Anfragen täglich genervt zu sein?

Auch wenn es gerade eine richtig besch*****e Zeit ist für die Live-Branche, möchte ich diese Tipps genau jetzt den noch-Hobbymusikern mitgeben. Ihr könnt die Zeit verwenden, um euch in die Themen einzulesen und die kreative und organisatorische Vorarbeit zu leisten, die für den späteren Durchbruch nötig ist. Dabei wünsche ich euch ganz viel Erfolg! Eure Foxxy.

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