Da dieses Interview lang und ausführlich genug ist, möchte ich keine lange Einleitung schreiben. Nur so viel sei verraten: Es geht um die junge Band Hospital Revival, die ihre erste EP genau dann veröffentlichen und mit Livekonzerten bewerben wollten, als der erste coronabedingte Lockdown Deutschland erwischt hat. Eine ziemlich blöde Situation für einen Act, der sich erst noch einen Namen machen muss … Wie Hospital Revival die Situation erlebt und gemeistert haben, das lest ihr hier.

HOSPITAL REVIVAL, Band-Shooting in der BG-Klinik

Bitte sagt mir, dass ihr euch schon vorher Hospital Revival genannt habt! xD Hat denn irgendwer von euch einen Beruf im medizinischen Bereich?

Ja, tatsächlich haben wir uns schon vor der Pandemie so genannt und jetzt passt  das natürlich umso besser! Tatsächlich arbeitet keiner von uns selbst im direkten medizinischen Bereich, aber teilweise in der Medizintechnik.
Dennoch haben wir gute Bekannte dort, die besonders im Moment wahnsinnig viel leisten. Durch diese war es uns auch möglich, das Promo Shooting in einem richtigen OP zu machen (natürlich auch vor der Pandemie 😉 ).

Ihr schreibt, ihr wollt den Hard Rock wiederbeleben. Ich höre aber auch Metalcore Elemente in eurer Musik (stimmlich, der Wechsel zwischen tief-growlig und klar, die Dramatik), zudem ist der Sound sehr modern. In meinen Augen ist das also eigentlich keine Wiederbelebung von etwas Altem, sondern wie eine Wiedergeburt im frischen, verjüngten Gewand. Oder wie seht ihr das?

Absolut! Nur die alten Bands aus den 70er/80er zu kopieren wäre in unseren Augen keine richtige Wiederbelebung. Es soll, wie du schön beschrieben hast, frisch daherkommen. Wir finden, dass die Musikrichtung derzeit recht krass auseinander driften und jeder versucht seine Nische zu finden, indem noch irgendwas Neues gesucht wird wie bspw. Reggae-Trance-Schlager-Core.
Manches davon hat natürlich seinen Charme und seine Daseinsberechtigung. Wir glauben jedoch auch, dass es nicht immer noch komplexer oder auf irgendeine Weise brandneu sein muss um zu gefallen. Es muss lediglich qualitativ gut gemacht sein und ins Ohr gehen.
Der Begriff Hard Rock lässt viele immer noch nur an Bands wie AC/DC, Deep Purple, Guns’n’Roses oder, um auch noch eine deutsche Band zu nennen, die Scorpions denken. Wir finden das so eigentlich nicht mehr richtig, so beschreiben Stone Sour ihren Stil ebenfalls als Hard Rock. Leider scheint das im allgemeinen Musikbewusstseins in unseren Augen irgendwie noch nicht so richtig angekommen zu sein.
Genau das wollen wir ändern und haben deswegen den Begriff Hard Rock 2.0 geschaffen.

Kommen wir zu eurer Situation: Wann habt ihr euch als Band gegründet? Wie lange hat es bis zur ersten EP gedauert, die genau zur Zeit des ersten Lockdowns erschienen ist?

Richtig dazu entschieden, als Band was auf die Beine stellen zu wollen, haben wir Anfang 2019. Unser Drummer, Bassist und ich (Leadgitarre) spielten bereits vorher in einer Band zusammen, die sich aufgelöst hatte. Weiter Musik machen wollten wir auf jeden Fall und nahmen dann unsere beiden Sänger, von denen einer auch noch Gitarre spielt, mit auf. Diese kannten wir vorher auch schon und hatten ein paar Gigs zusammen gespielt aber nie fest zusammen Musik gemacht.
Songideen hatten wir bereits vorher schon ein paar und wir hatten recht schnell 7 oder 8 Lieder zusammen, von denen es jetzt erst einmal 5 auf unsere EP ROSC geschafft haben. Fertig mit den Aufnahmen waren wir eigentlich schon im Herbst 2019, hatten aber noch kein Programm für ca. 1h live, was wir aber bei Release schon gerne gespielt hätten.
Daher haben wir dann erst mal noch weiter an Songs gearbeitet und wollten im Jahr 2020 unsere Releaseparty geben. Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts und wir schoben die VÖ vor uns her, bis wir irgendwann im Sommer bis Herbst anfingen zu denken, eigentlich egal, wir hauen die EP raus und schauen mal wie Sie ankommt und wie viele Leute wir online erreichen.

Der Lockdown hat euch vermutlich kalt erwischt. Wie war denn der zeitliche Verlauf? Was war schon fertig am „letzten normalen Tag“, diesem besonderen Freitag den 13.?

Tatsächlich waren die Songs fertig aufgenommen, gemischt und gemastert. Ebenso hatten wir bereits das Promoshooting hinter uns. Dennoch hatten uns aber dann vor dem Release dazu entschieden Sie nochmal neu zu mischen weil wir das Gefühl hatten, man kann noch ein bisschen mehr rausholen. In den 5 Tagen im Studio war nach dem Recorden leider nicht mehr viel Zeit dafür und so sind wir dann nochmal 2 Tage hin um den finalen Mix zu setzen und haben Sie nochmals zum Mastern weggegeben.
Artwork, Video, Homepage etc. wurden anschließend erst während des Lockwowns fertig gemacht.

Habt ihr normal geprobt im Sommer oder wie habt ihr dieses Jahr als Band verbracht?

Normal geprobt leider nicht, durch die Pandemie wurden die uns verfügbaren Termine noch knapper. Einer von uns arbeitet im Einzelhandel, für den die Pandemie jede Menge Überstunden bedeutete und ein anderer hat Schichtarbeit (auch Sa/So). Das macht die Termine so schon schwierig und in der Pandemie dann fast unmöglich zu planen. Ein paar Mal hat’s trotzdem geklappt und Spaß gemacht, es sind sogar 1 oder 2 Songideen ausgearbeitet worden.

Ihr habt nun also da gesessen und euch überlegt: Wie bringen wir unsere EP „ROSC“ da raus in die Welt, wenn wir daheim bleiben müssen?

Schlussendlich dachten wir, dass gerade World of Chaos (witzigerweise auch schon 2019 geschrieben) derzeit einen Nerv treffen könnte und wollten die Songs nach etlichen Ankündigungen bei Leuten die uns bereits kannten auch endlich mal vorzeigen.

Zu welchen Schlüssen und Strategien seid ihr dabei gekommen?

Als Vertriebspartner haben wir Spinnup gewählt und versuchen es, mit Plattformen für Kuratoren, Influencer etc. ein paar Leuten vorzustellen, was auch für die erste EP recht gut funktioniert hat.
Natürlich lernt man immer was dazu, wenn wir wieder unsere erste EP rausbringen, würden wir vorher unser Spotify Artist Profil claimen und bereits vor Release mehr an Promo machen über Kuratoren.

Welche Probleme gab es, und was hat euch positiv überrascht?

Total positiv überrascht waren wir von einigen Radiosendern. Beispielsweise liefen wir über eine Corona-bedingte Aktion auf dem Karlsruher Radiosender Alternative FM bereits 2,3 Mal am Tag vor Release, was super war! Generell haben wir das Gefühl, im Moment hören die Leute wenigstens mal rein, wenn man kommt und sagt: „Hey wir haben hier was komplett Neues am Start und würden uns freuen, wenn ihr mal zumindest 30-60 Sek. Zeit habt reinzuhören.“
Problematisch ist halt die soziale Distanz, da geht leider einiges an Bandfeeling flöten, wenn jeder nur zu Hause am Releasetag sitzt, der ja wieder voll in die Kontaktbeschränkungen fiel.

Wie habt ihr denn mich oder den Blog gefunden? Über normale Presselisten bin ich ja nicht erreichbar.

Über Instagram hat dich Kathi (Freundin des Gitarristen) entdeckt und meinte die ist cool, schreib Sie mal an, ob Sie auch was über euch schreibt.

[Anmerkung von mir hierzu: Auch Hospital Revival habe ich erzählt, dass es auf diesem Blog keine „gewöhnlichen“ Album-Reviews oder News zu VÖs gibt. Aus folgenden drei Gründen: Weil ich allein gar nicht alles abdecken könnte, was veröffentlicht wird; weil es beim Schreiben redundant wird; und weil es hundertmillionen Magazine gibt, die genau dies tun: Reviews und News. Hier soll es aber persönlicher und kreativer zugehen. 🙂 Also bitte schickt mir keine Links mehr mit der Frage nach einer Rezension. Danke! <3]

Eure Musik lässt sich auf jeder bekannten Streaming Plattform abspielen. Was musstet ihr machen, um da drauf zu kommen?

Wie bereits erwähnt muss man natürlich eine gewisse Qualität abliefern und sich dann als kleine Band für einen Vertriebspartner wie Spinnup, Distrokid, recordJet um nur ein paar zu nennen entscheiden.

Wenn es Live Shows gäbe, was würdet ihr dort machen, um auf die EP aufmerksam zu machen?

Die ganze Energie die uns zur Verfügung steht in c.a. 1h Programm entladen mit einer Show, die unserem Motto entspricht. Dazu hätten wir dann natürlich auch ein paar CD’s machen lassen und ggf. auch Merch. Nur leider kauft das ohne Gigs kaum jmd.

Für wen ist der Sound überhaupt geeignet? Nennt mal drei Bands, deren Fans sich euch anhören sollten.

Stone Sour, Papa Roach, Alter Bridge

Was wünscht ihr euch zu Weihnachten?

Sinkende Fallzahlen, viel Impfstoff und neue Fans 😉

Viele Grüße und danke für das Interview!
Daniel & der Rest von Hospital Revival sowie von Kathi, die dich entdeckt hat

HOSPITAL REVIVAL, Band-Shooting in der BG-Klinik

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