Am 12. April 2021 wurde die „Wer wird Millionär“-Folge ausgestrahlt, bei der unser Kölner Thekenheld Chris Grau als Kandidat dabei war. Am nächsten Morgen war die Presse voll mit Aussagen wie der in der Überschrift.

Hose runter, nackte Tatsachen, Arschgeweih. Das waren „am Tag danach“ die Schlagworte, die einem ins Auge fallen. Dahinter steckt folgende Geschichte: Chris hat während der Show mit Moderator Günther Jauch gewettet, dass er das Tattoo auf seinem Steißbein zeigt, sobald er die 16.000 Euro erreicht hat.

So kam es dann auch. Chris hat insgesamt 32.000 Euro mit nach Hause nehmen dürfen. Da ist eine Runde Freibier in der Redrum Rockbar, sobald sie wieder aufmacht, wohl obligatorisch 😉
Heute habe ich ein exklusives Interview mit Chris für euch. Darüber, wie es sich anfühlt, bei so einer Show dabei zu sein, natürlich über das berüchtigte Tattoo und darüber, ob Pinguine nun Knie haben oder nicht …

Foxxy: Zunächst erstmal herzlichen Glückwunsch zu den 32.000 Euro! Was passiert denn nun Dank dieses Gewinns mit dem Redrum?

Chris: Das Redrum wird da tatsächlich relativ wenig involviert werden. Die Idee ist, dass wir auf jeden Fall eine Art Geburtstagsfest nachholen. Für alle, die während des Lockdowns keinen Geburtstag feiern konnten. Das sind so ziemlich alle, teilweise sogar bis zu zwei Geburtstage. Ich habe gesagt, ich werde das Freibier sponsern für diese Fete. Ansonsten halten wir die Bar da relativ raus, weil wir sonst Probleme mit den Fördermitteln bekommen, das ist alles etwas komisch.

Und der Festivalbus?

Ja, der Festivalbus steht am Montag vor der nächsten TÜV-Prüfung. Wenn er da nicht durchkommt, muss ich nochmal Geld reinstecken. Grundsätzlich ist das Geld, was noch übrig ist, für eine richtige Soundanlage angedacht. Damit man, wenn man aufs Festival fährt, auch richtig Wumms machen kann. Der ist ja nicht schnell der Bus, Höchstgeschwindigkeit 90 km/h. Wenn man dann im Sommer durch halb Europa fährt, ist es aber ziemlich geil, wenn man dabei laut Musik hören kann.

Oder man kommt sich ein bisschen komisch vor, weil man nicht richtig Gas geben kann, aber die Musik voll losgeht. *lacht*

Ja, und der Bierkühlschrank, der muss noch aufgestockt werden. Der ist zu klein!

Ich würde so einen Amplifier-Kühlschrank nehmen. Aber noch was Organisatorisches zu der Wer wird Millionär-Sendung: Jetzt ist es Ende April. Ich habe die Sendung gerade nachgeschaut. Am 12.04. wurde sie ursprünglich ausgestrahlt. Wann wurde sie denn gedreht und wann hast du dich zum ersten Mal angemeldet? Damit man einen Gefühl für diesen ganzen Prozess bekommt.

Gedreht wird anderthalb bis zwei Monate vorher. So lange muss man auch die Klappe halten und darf mit niemandem darüber reden, was passiert ist. Das war tatsächlich das Schwierigste. Wenn man das nicht macht, bekommt man das Geld nicht ausgezahlt.

Ja klar, die wollen ja, dass man noch zuschaut und nicht vorher alles weiß.

Ansonsten war ich als Kandidat schonmal ein halbes Jahr vorher da. Da habe ich es aber nicht auf den Stuhl geschafft. Durch Corona und dadurch, dass ich halt in Köln wohne und auch das Studio in Köln ist, wurde ich hin und wieder angerufen, ob ich als Ersatzkandidat fungieren möchte. Da ich immer wieder ja gesagt habe, hat man mir wohl die Chance gegeben, es ein zweites Mal zu versuchen. Grundsätzlich hat der ganze Prozess ein gutes Jahr gedauert, mit allem.

Ich habe mitbekommen, dass dadurch in unserem Kölner Umfeld einige auf die Idee kamen, sich zu bewerben.

Das Problem ist, es gibt halt sehr, sehr viele Leute, die sich bewerben. Man muss es einfach stumpf immer wieder machen. Und was ich, glaub ich auch hilft, ist, möglichst auffällige Fotos mitzuschicken und eine gute Story erzählen.
Ich habe mich damals beworben für das Gastro-Special. Als der erste Lockdown kam, haben sie ein Special gemacht, um die Gastronomen zu unterstützen. Da habe ich es aber nicht in die Sendung geschafft.

Obwohl das eigentlich hundert Prozent gepasst hätte.

Genau, aber sie hatten halt schon genug andere Gastronomen.

Hast du dich denn noch mit Büchern oder so was vorbereitet, nachdem du ausgewählt wurdest? Oder einfach drauf los, auf gut Glück?

Am Anfang habe ich mir da echt den Kopf gemacht, wie ich mich darauf vorbereiten kann. Sowas wie Zeitung lesen, damit man das Tagesaktuelle weiß. Aber dann gibt es so Themen wie Fußball und alles, was mit Sport zu tun hat. Das ist überhaupt nicht mein Wissensfeld. Damit beschäftige ich mich einfach nicht. Ich glaube nicht, dass es da was gebracht hätte, sich stumpf reinzulesen.

Hast du auch was Geschichtliches gelesen? Denn das kommt ja etwas häufiger vor als tagesaktuelle Themen.

Die geschichtlichen Sachen habe ich drauf. Man muss dazu sagen, ich habe nie einen richtigen Schulabschluss gemacht, sondern hab nur vier Prüfungen gemacht, damit ich so etwas wie einen Realschulabschluss vorweisen kann. Das gilt aber nicht wirklich als Realschulabschluss. Mich hat Schule nie interessiert, deswegen ist die normale Schulbildung an mir vorbeigegangen. Ich bin aber so, wenn mich irgendwas interessiert, dann lese ich es sofort nach und habe es drin im Kopf. Also mein Kopf ist voller Wissensmüll. Wissens-Spam.

Dann sag uns mal einen unnötigen Wissensfakt!

Das ist ja jetzt die Pistole auf die Brust gesetzt. Warte … also das ist jetzt kein Wissensfakt, aber etwas, das mich schon Ewigkeiten beschäftigt hat: ob Pinguine Knie haben oder nicht.

Sie haben Knie. Die sind nur verdeckt, weil sie sehr weit oben sind.

Weil sie so einen langen Frack tragen, richtig! Aber das sind so Sachen, die beschäftigen mich halt. Und dann lese ich mich da rein.

Wieder was gelernt. Obwohl, das mit den Pinguinen wusste ich schon. Aber wer weiß, wer von den Lesern jetzt was Neues gelernt hat.

Oder das Petermännchen zum Beispiel, was ja eine der Fragen war. [Anmerkung: Die 32.000 Euro-Frage lautete folgendermaßen: „Was ist normalerweise 20-30 cm lang, lebt u. a. in der Nord- und Ostsee und gehört zu den gefährlichsten Gifttieren Europas?“ Die richtige Antwort war „Petermännchen“.] Das ist halt sowas, das hab ich tatsächlich irgendwo gelesen und dann hat mich das interessiert. Weil ich es so abstrus fand, dass einen Fisch gibt, der zwei Stacheln auf dem Rücken hat – und mich gefragt habe, wie verteidigt der sich im Meer damit? Schwimmt der dann mit dem Rücken auf einen zu, oder was?

Weil Haie nicht rückwärts schwimmen …

Können die nicht?!

Können die nicht. Unnötiger Wissensfakt von mir.

Wieder was gelernt.
Also ich dachte zuerst, die nutzen die Stacheln beim Zuschnappen. Also wenn Fressfeinde zuschnappen, dass sich die Stacheln dann irgendwie in den Oberkiefer reindrücken. Aber es ist tatsächlich so, dass sie sich in den Sand einbuddeln und wenn man drauftritt, macht es Aua.

Das Petermännchen. Quelle: Wikipedia

Was war denn die Frage, bei der du am Anfang am schnellsten beim Sortieren sein musstest? Für diejenigen, die es nicht gesehen haben.

Das war das Lied von der Biene Maja. Die Frage war: Stimmen Sie von Karl Gott das Lied von der Biene Maja an [Reihenfolge der Lyrics]. Und ich bin jemand, der immer ein Lied in der Birne hat, vom Aufstehen bis zum Einschlafen. Was ich zum Beispiel seit Jahren mit mir herumschleppe, ist das Werbelied von diesem Krokodilspiel. *singt* Wir spielen mit dem Krokodil – Kroko-Doc – Kroko-Doc … Das ist ständig in meinem Kopf. Ähnlich ist es mit dem Lied von Biene Maja, das immer mal wieder auftaucht. Als die Frage kam, hab ich es schon mitgesungen und konnte es dann innerhalb von 2,96 Sekunden eintippen. Was ich auch nicht für möglich gehalten hatte, ich dachte, das Gerät ist kaputt.

Also wenn ich da mitmachen würde, und das habe ich in den letzten Tagen schon ein paar Leuten gesagt, wäre das der Moment, bei dem ich mich am meisten ärgern oder aufregen würde, wenn ich einfach einen Knoten im Kopf habe, zu langsam bin und dann gar nicht erst die Chance habe, auf den Stuhl zu kommen. Aber die Frage fand ich jetzt extrem einfach.

Ja, ich war zum zweiten Mal da. Beim ersten Mal waren das richtig blöde Fragen. Zum Beispiel: Wer hat mehr YouTube Follower? BibisBeautyPalace …

Das hätte ich sogar gewusst, wie viele sie hat.

… oder, pass auf, Blaulichtreport Erzgebirge oder die Berliner Philharmoniker oder noch irgendwas. Das mit Bibi hätte ich auch noch gewusst. Wer von den anderen hat denn mehr? Das Orchester in Berlin oder die Polizei im Erzgebirge? Das hat mich beim ersten Mal voll gegrämt und ich hatte auch Schiss, dass es beim zweiten Mal wieder so sein würde.

Genau, dann sitzt da jemand anderes, der braucht vielleicht ewig lange und du warst da und hattest nicht mal eine Chance.

Ja, da hab ich wirklich mit zu kämpfen gehabt und hatte überlegt, ob ich mich vorbereite. Aber die App dafür war kaputt. Das konnte ich gar nicht trainieren, diese schnellen Fragen. Das war aber gut so, sonst hätte ich mich nur noch mehr verrückt gemacht. War eh schon aufgeregt.

Das wäre eh meine nächste Frage: Warst du denn nervös vor dem Publikum? Weil eigentlich kennst du es ja, vor der Kamera zu sitzen.

Ich habe da überhaupt keine Berührungsängste. Es gab nur zwei Sachen, die mich ein bisschen beschäftigt haben. Das erste ist, dass es nicht mein normales Publikum ist. Also normalerweise bewege ich mich ja in einer Gruppe, das sind Musikfreaks, das sind Metaltypen, das sind Punks, Kneipengänger, Festivalbesucher, … da bewege ich mich wie ein Fisch im Wasser. Auch die Leute, die jetzt die Custom Eddy Show sehen, sind Menschen, die da Bock drauf haben. Aber das jetzt war im Abendprogramm! Und ich weiß, dass ich manchmal etwas verstörend auf die Leute wirke. Das zweite war, dass ich mich gefragt habe: Wie gibt man sich da? Aber vor Ort war ich so aufgeregt, dass ich gar keine Chance hatte, mir darüber Gedanken zu machen. Man sieht aber, ich bin da sehr ruhig. Und wenn man sieht, dass ich ruhig bin, dann passiert was in mir, dann ist da irgendwas los.

Wer Chris in einem anderen Umfeld in Aktion sehen will, sollte sich die Custom Eddy Show ansehen!

Meinst du denn, die hatten noch nicht so viele Gäste in deinem Look dort?

Doch schon, aber das ist ja egal, ob ich das mitbekommen habe, ob schonmal so jemand da war. Wenn du selbst da sitzt, ist das eine ganz andere Nummer. Du hast die Kandidaten da sitzen, die dich angucken. Du hast den Jauch, der dich anguckt und das Produktionsteam und zuhause war noch als Joker meine Mama mit dabei, die hat zugeguckt. Und dann später halt alle anderen auch. Das ist schon nochmal eine andere Situation. Meine größte Sorge war, dass ich da wie ein Ochse am Ring durchs Dorf geführt werde und jeder darf mal gucken. Aber ich glaube, ich bin ganz gut weggekommen. *lacht*

Das Tattoo in Nahaufnahme

Du hast sogar die Headline mit Wer wird Millionär und irgendwas mit Nacktskandal ausgelöst wegen dem Tattoo.

Ja, es gab tatsächlich zwei, drei Dutzend Zeitungen, die das zu ihrer Headline gemacht haben. Und die BILD-Zeitung ist am meisten über die Stränge geschlagen mit „Nacktskandal bei Günther Jauch“ oder so. Dabei war ich gar nicht nackt!

Du hast ja nur dein Arschgeweih gezeigt.

Genau!

Das Ufo, das die Camper entführt: Wo fliegen die denn hin?

Ich hoffe, irgendwohin, wo ordentlich Butt Stuff stattfindet! *lachen*

Also irgendwo, wo kein Corona herrscht?

Nein, das gibt es da nicht.
Das Tattoo war, wie gesagt, einfach nur eine lustige Idee gewesen. Ursprünglich sollte das Ufo einen Saurier entführen, keinen Camper. Aber das spitzt sich dann immer weiter zu. Wie ich in der Sendung gesagt habe, gibt es Tattoos, die sind einfach passiert.

Chris wie man ihn kennt.

Wie waren denn sonst die Reaktionen von Familie und Freundeskreis?

Meine Familie, wie ich das auch schon in der Sendung gesagt habe, Kummer gewohnt. Meine Mama, die hat sich das glaube ich auch nicht nochmal angeguckt. Für meine Freunde war es aber nicht sonderlich aufregend. Ich glaube, mein Hintern gehört eh schon zu den prominentesten in ganz Köln … *lacht*

Ich weiß noch, im Valhalla lautet die Regel: Du musst eine Hose tragen, wenn du hinter der Theke stehst!
[Valhalla = Metal-Bar in Köln, selbsterklärend auf der Schäl Sick. Chris hat dort mal ohne Hose Getränke ausgeschenkt.]

Richtig, genau! Das ist meine Freizügigkeit. Wenn ich was getrunken habe, bin ich halt der Meinung, Hosen sind lästig …

Damals als die Regel aufgestellt wurde, war das Tattoo aber wahrscheinlich noch nicht da. Meintest ja, es sei das Neueste. Aber egal, Themenwechsel! Angenommen, du hättest die Millionen gewonnen: Was hättest du dann gemacht?

Dann hätte ich mich als allererstes darüber erkundet, wie es ist, in Thailand ein Grundstück und ein Haus zu kaufen! Dann hätte ich dafür gesorgt, dass ich mir gar keinen Kopf mehr machen muss und auf Koh Pangan, Ko Tao oder irgendwo so ein Häuschen gebaut, mit einer Beach Bar.
Noch so zehn, fünfzehn Jahre wäre ich hiergeblieben, aber könnte jedes Jahr dort hinfliegen und alles vorbereiten. Irgendwann kann man dann sagen: Danke, es war nett mit euch, und ab nach Thailand für immer! Ich liebe Thailand! Da ist die Wärme nicht nur im Klima, sondern auch im Zwischenmenschlichen.

Dann noch zum Abschluss: Was ist denn dein Wort zum Sonntag? Der übrigens mit S anfängt … genau wie der Samstag … [spielt an auf eine Frage aus der Show, welchen Wochentag man als einzigen an seinem ersten Buchstaben erkennen könnte]. Oder was ist deine Botschaft an die Welt da draußen?

Trinkt mehr Dosenbier! Dosenbier macht schlau.

Das ist wunderschön. In diesem Sinne auf Wiedersehen.

Ein Kommentar zu „Nacktskandal bei Wer wird Millionär!? Chris Grau im Interview

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