Das Phänomen der Künstlernamen bei Nicht-Künstlern

Ich lasse euch einen Moment Zeit, um zu überlegen, was ich mit diesem Phänomen meinen könnte. Ideen?

Auf das Thema gekommen bin ich irgendwie, als es strafbar wurde, sich mit falschem Namen in die Kontaktdatenlisten in der Gastronomie einzutragen. Mir fiel dabei auf, dass ich von vielen Freunden und Bekannten gar nicht die echten Namen weiß; oder wenn, dann nur den Vornamen, oft nur die Kurzform davon. Und selbst dann, wenn ich die echten Namen kenne, gibt es ein paar Kandidaten, die diese nur ungern aufschreiben würden.

Woran liegt das und warum spreche ich hier von Künstlernamen?

eigentlich heißt er Saul Hudson

Ich vermute, dass diese Phänomen zwei Ursprünge hat: Ersten das Nacheifern der eigenen Idole und Ideale, zweitens der Wunsch nach Identitätsschutz im Internet.

Viele Leute in meinem Bekanntenkreis sind bekennende Musikfans. Sie fuchsen sich wirklich rein in die Künstler und die Geschichten hinter den einzelnen Songs und wissen gerne auch mal, wie der zweite von vier Bassisten in der Bandgeschichte hieß und wo er gewohnt hat.

Diese Musiker wiederum geben sich gerne Künstlernamen. Das müssen nicht unbedingt Fantasiewörter sein – sie können auch einfach wie (fast) normale Namen klingen. Es sind aber trotzdem nicht die, mit denen sie geboren wurden oder die noch heute in ihrem Personalausweis stehen. Freddie Mercury zum Beispiel wurde Farrokh Bulsara getauft. Freddie war lange Zeit nur sein Spitzname. Die Geschichte zum Nachnamen „Mercury“ ist recht mehrdeutig, aber ein Songtext soll dabei eine Rolle gespielt haben.
Alice Cooper kam als Vincent Damon Furnier zur Welt. Er übernahm irgendwann den Namen einer Band, in der er mal gespielt hatte. Und H.P. Baxxter heißt mit bürgerlichem Namen Hans Peter Geerdes. Das klang wohl einfach nicht so „hyper“ cool.

Freddie Mercury Statue, Wikipedia.org

Wer Fan von Künstlern wie ihnen ist, will ihrer Lebensgeschichte ein bisschen nacheifern. Zumindest dieses Lebensgefühl haben, sich seinen eigenen Namen geben zu können. Man möchte damit auch etwas ausdrücken, also welchen Musikgeschmack man z.B. mag, oder man versteckt andere kulturelle Anspielungen.

Aber wie kann man sich diese Namen selbst geben, ohne zum Amt zu rennen und sich offiziell ummelden zu lassen?
Nun, zum einen kann man sich, wenn man neue Menschen trifft, einfach damit vorstellen. Wenn man, zweitens, wirklich Kunst in irgendeiner Form veröffentlicht, sei es Musik, Bücher, Fotografie oder sonstiges kann man sich ebenfalls ein Pseudonym aussuchen, unter welchem man seine Werke veröffentlicht. Aber vor allem das Internet befeuert das Phänomen, dass man bei vielen seiner eigenen Freunde lange nicht weiß, wie sie eigentlich heißen.

Als jeder sich seine erste eigene E-Mail-Adresse einrichtete, trugen diese noch recht kuriose Namen. Meine enthielten die Wörter „eidechse“ und „katzenpfote“. Inzwischen sind beide deaktiviert und ich habe eine normale, seriöse Adresse, eine für die Arbeit und eine für meinen Blog. Die beinhaltet natürlich mein Pseudonym „karlathefox“.

Aber früher ermöglichten SchülerVZ und Myspace, später Facebook und Instagram oder heute TikTok die Wahl eines eigenen (User-)Namens. Vor allem bei Facebook, wo man ja theoretisch seinen Klarnamen angeben soll, sorgt dies jedoch für Verwirrung. Auch ich nutze dort einen anderen Nachnamen. Weil mein echter recht langweilig und häufig ist, weil ich das Erbe der „katzenpfote“-Adresse darin fortführen will und einfach, weil ich es kann. Warum Leute dann auf meinem Klingelschild nach dem falschen Namen gesucht haben, hab ich erst kapiert, nachdem sie es mir erzählt haben. Ach stimmt ja, fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Sorry, ich heiße eigentlich anders …

Mein Part im „Corona-Logbuch“
Team Toastbrot und der fehlende Nachname

Umgekehrt wusste ich z.B. ewig nicht, wie der Nachname von Mara (ihr kennt sich von Team Toastbrot) lautet, obwohl ich da schon bei ihr Zuhause gewesen war. Da hatte sie mich aber von der Bahnstation abgeholt. Ich musste nicht klingeln.
Als ich ihr dann mal ein Paket schicken wollte, von dem sie aber vorher nichts wissen sollte, setzte ich auf die Kenntnisse der örtlichen Postboten. ^^ Ich ließ den Nachnamen einfach weg. Das Paket kam an.

Als Facebook vor ein paar Jahren (das dürfte so 2015 gewesen sein?) plötzlich durchgriff und viele Accounts mit „Pseudonym“ gemeldet wurden, erfuhr man auf einen Schlag von vielen Bekannten den vollen oder richtigen Namen. Manche wurden aber nicht erwischt, bis sich diese Welle wieder legte. Nach dem, was ich weiß, waren es Transgender Personen, die die Wogen glätten konnten. Sie stehen nämlich immer irgendwann an dem Punkt, dass sie sich einen selbst bestimmten Namen geben müssen, noch bevor dieser rechtskräftig ist. Es sollte ihr Recht sein, sich mit diesem gewählten Namen in den sozialen Netzwerken anmelden zu können. Übrigens sind auch Zweitnamen anstelle der Rufnamen im Fratzenbuch sehr beliebt. Warum auch immer. Vielleicht weil es einem das Gefühl von Autonomie gibt? Von „ich kann mir selbst aussuchen, wie die Leute mich nennen und muss dafür noch nicht mal die Unwahrheit angeben, wenn ich den Zweitnamen wähle“? Sich selbst so nennen zu können, wie es sich richtig anfühlt, hat schon etwas für sich.

Denn obwohl ich mich nirgends so vorstelle, reagiere ich im „real life“ auch auf den Namen Karla oder den Spitznamen Foxxy. Zumindest wenn ich auf einer Glam Rock Party bin, wo es theoretisch Leute geben kann, die zwar die Seite kennen, aber nicht mich persönlich. Manche denken wahrscheinlich auch, ich freue mich, wenn sie mich so nennen.
Es ist etwas ungewohnt und verwirrend, weil ich länger zum Reagieren brauche und dann unsicher bin, ob ich meinen echten Namen nennen soll, aber schlimm finde ich es nicht. Es ist ganz lustig, so viele Namen zu haben wie eine Jellicle Cat 😉

Kennt ihr das auch? Wusstet ihr mal jahrelang nicht, wie eure Freunde heißen und hattet dann plötzlich Probleme, sie auf offiziellen Wegen zu kontaktieren, für sie eine Reservierung vorzunehmen oder ähnliches? Sträubst du dich selbst, deine eigenen Namen anzugeben? Oder findest du es nicht tragisch, wenn er herauskommt, bevorzugst aber den Selbstgewählten? Ich finde, es ist ein interessantes Phänomen, das in Subkulturen auch viel präsenter zu sein scheint als bei „Stinos“. Könnte fast eine eigene Studie wert sein …

Achtung, leuchtender Hanf! – Serien Review „Biohackers“

Heute habe ich Lust, etwas über die brandneue Netflix-Serie Biohackers zu erzählen. Die deutsche Produktion hat erst eine Staffel mit 6 Folgen, die jeweils 42 Minuten lang sind, man ist also recht schnell durch.
Ich hatte in den Trailer rein geschaut und dachte: Die Aufmachung gefällt mir, aber ich glaube, das ist eher was für Teens.. wegen der starken Betonung auf das ach so wundervolle Studentenleben.
Nach dem Ende der Staffel dachte ich dann: Das ist auch für Erwachsene unterhaltsam. Vielleicht gerade wegen der glorifizierten Studiwelt, die das Alltagsgrau verblassen lässt. Doch die Serien hat ihre Schwächen. Sie wird nicht jeden überzeugen. Ob diese Welt, in der alles heller strahlt als es sollte, dir gefällt oder nicht, kannst du vielleicht beim Lesen herausfinden.

Achtung: Um ein paar Spoiler werde ich nicht herum kommen.
Doch ich bemühe mich, nicht zu viel vorweg zu nehmen, sodass es sich auch noch nach dem Lesen des Artikels lohnt, die Serie anzuschauen.

Fangen wir mit der bereits erwähnten Darstellung des Studentenalltags an. Mia, die Protagonistin von Biohackers, zieht (aus Schweden? da bin ich mir nicht mehr ganz sicher) nach Freiburg, um dort ihr Medizinstudium zu beginnen. Sie klingelt an der WG-Tür und wird von ihrer zukünftigen Mitbewohnerin gleich mal oben ohne begrüßt. Die hatte, wie es aussieht, schon ganz vergessen, dass heute jemand Neues einzieht. Trotzdem sind sie nach kürzester Zeit gute Freunde.

Screenshot von netflix.com

Wir treten in Mias Welt ein. Ihr neues Zimmer ist simple, die Tapete ist von der Wand gerissen. Lehrbücher nehmen den meisten Platz ein. Die Studentin fährt mit dem Fahrrad durch die wunderschön dargestellte, sonnige Stadt im Süden des Landes. Ihre 4er-WG ist genau so verrückt wie genial und liebenswert. Diskussionen oder Gleichgültigkeit sieht man zwischen ihnen nie. Mia und ihre Freunde haben eine ambitionierte Professorin und High Tech Ausrüstung zur Verfügung. Der Hörsaal ist voll besetzt. Nach der Uni finden abgefahrene Partys statt – unter anderem mit leuchtenden Hanfpflanzen und bekannten Wissenschafts-Influencern. Nach wenigen Tagen hat die hochintelligente Protagonistin zahlreiche Freunde gefunden, zwei davon leben in einer Art Aussteigerhütte ganz alternativ am Badesee. Es ist wie ein Imagefilm fürs Studieren im 21. Jahrhundert.

Womit mich die Serie sofort überzeugen konnte, ist das Thema. Für mich sind Biohacking und die dazugehörige Szene neu, aber ich finde es super spannend. Was in der Serie an „Hacks“ gezeigt wird, tanzt auf dem Hochseil, das zwischen Realität und Fiktion gespannt ist. Manches ist sicher möglich, manches nur theoretisch und anderes würde in der echten Welt kolossal schief gehen. Oder man kommt dafür hinter Gitter.

Ebenso gefällt mir die Produktion. „Biohackers“ hat nicht diese typisch deutsche Machart von Filmen oder Serien… Kennt ihr französische Komödien, die man sofort an ihrer Atmosphäre, an den Dialogen, der Synchro, dem Humor erkennt? Viele klassisch deutsche Produktionen haben ebenfalls ihren eigenen Stil der Regie / Texte / Aufnahmen. Die Serie „Dark“ soll zum Beispiel inhaltlich stärker sein als „Biohackers“, hat aber eher diesen Stil, weswegen ich mich schwerer tue, sie anzuschauen.
Wer eine Beschreibung für das findet, was ich meine, der hat was gut bei mir! Die Macher von „Biohackers“ scheinen jedenfalls eine amerikanische Schule besucht zu haben oder sich mindestens an ihre zu orientieren. Bilder und Darstellung der Schauspieler sind auf einem hohen, international vergleichbaren Niveau.

Die dritte Stärke der Serie aus meiner Sicht: Die Cliffhanger am Ende jeder Folge.
Selbst, wenn man sich eigentlich denken kann, wie es weiter geht, will man unbedingt sofort weiter schauen, um zu erfahren, ob es wirklich so kommt. Oder anders. Außerdem beginnt die Serie mit einer Szene, die erst später in der Handlung stattfindet. Erst vor wenigen Tagen habe ich über diese Methode des Spannungsaufbaus gesprochen: Man weiß, dass etwas passiert. Es ist unausweichlich. Doch wie und wo, das weiß man nicht. Also wartet man gespannt in jedem Moment.

Die größte Schwäche von Biohackers ist die Ausgestaltung der Story.
Was hier auf Serienlänge gezogen wird, könnte auch ein längerer Film sein. Dafür würde sich die Handlung sogar sehr gut eignen, denn sie hat den Verlauf eines Films.
Jedoch ist vieles darin sehr vorhersehbar. Die Rollen sind leicht überzogen, zu archetypbelastet. Es gibt gezwungen viele Wendungen und Rettungen in letzter Not. Außerdem geschieht die Handlung viel zu schnell.

Man kann in Filmen, Serien und Büchern durchaus Zeitspannen zusammenfassen oder überspringen. Die Story hätte sich zum Beispiel vom Studienbeginn im Spätsommer bis in den Winter ziehen können, mit etwas normalem Alltag dazwischen. Dann hätte auch das Studentenleben realistischer gewirkt.
Aber Pustekuchen. Innerhalb von zwei Wochen beginnt Mia zwei Affären, rettet das Leben von beiden, verschafft sich einen neuen Job durch herausragende Leistung in der Uni und Überredungskunst, geht auf mindestens drei Partys, freundet sich mit der gesamten WG und weiteren Leuten an, bekämpft ihre Erzrivalin, fährt nach Basel um einem großen Forschungsprojekt auf die Spur zu kommen und wollte eigentlich noch nach Berlin, verhindert jedoch stattdessen den Tod von 25 Menschen. Das ist ’ne ganze Menge und ich frage mich beim Zuschauen: Wann gehen diese Leute in den Supermarkt um ihr Klopapier und Shampoo zu kaufen?! Oder haben sie sich so biogehackt, dass sie das nicht mehr brauchen?? Bei einem Charakter könnte man sich das vorstellen.

Trotz aller Schwächen, der Effekthaschereien und Übertreibungen der Serie möchte ich mir die zweite Staffel ansehen. Alleine schon wegen des – was auch sonst – Cliffhangers am Ende. Und wegen der irren Experimente und Mitglieder der Biohacker Szene!

Zum Schluss sei noch gesagt, dass die Story eine interessante ethische Fragen thematisiert. Sie gibt also Denkanstöße und ist trotz der Grenze zur Fantasy lehrreich. Diejenigen, die mehr Frauen in MINT-Fächern sehen, werden den Serienmachern dankbar um den Hals fallen. Denn jede*r, der gerade in Richtung Abitur geht und den Biohackern bei der Arbeit zusieht, wird von ihnen begeistert sein.

Das Corona Logbuch – Was uns im Frühjahr 2020 bewegte

Als die Uhren sich langsamer drehten … (Zeitfeld Düsseldorf)

Dieser Artikel enthält unbezahlte Werbung

Ausgerechnet zwei Tage nachdem ich auf meinem ersten richtigen Konzert seit den Veranstaltungsabsagen war, gehe ich einen riesigen Schritt zurück und stelle euch ein Buch vor, das sich mit den „schlimmsten“ Zeiten im Frühjahr beschäftigt hat?! Mache ich das, um uns allen die Stimmung zu vermiesen?
Nein, das sicher nicht. Ich wollte auch eigentlich viel früher über dieses Buch schreiben, das die Erfahrungen verschiedener Menschen gesammelt hat und authentisch wiedergibt.
Was mich davon abgehalten hat, war, dass ich mich in den vergangenen Wochen lieber von dem Dauerthema Coronavirus ablenken wollte. Ich wollte es zwar weiterhin ernst nehmen und Einschränkungen in Kauf nehmen – mich aber endlich wieder mit anderen Dingen beschäftigen und über andere Themen schreiben. Denn sind wir mal ganz ehrlich, wir können es alle nicht mehr hören.

Jetzt komme ich trotzdem damit um die Ecke. Warum? Vielleicht weil ich selbst mitgemacht habe und auch meine Gedanken von Februar bis Anfang Mai im Buch nachlesbar sind? Unter anderem; aber selbst das ist nicht das Wichtige, denn meine Gedanken teile ich ja auch hier, ganz nach Belieben. Viel eher will ich zeigen: Das Konzert am Freitag mit Night Laser und Formosa (über das natürlich noch ein kleiner Bericht folgt) ist keine Selbstverständlichkeit und die Kontaktsperren sind noch gar nicht so lange her!

Ich freue mich unglaublich für die Künstler, dass sie wieder live spielen können. Es kommt wieder Leben in die Straßen. Die Gastronomie hat wieder Einnahmen, die Angestellten eine Perspektive. Wir alle können wieder die Menschen sehen, die uns wichtig sind. Aber es ist auch erst ein halbes Jahr her, dass Klopapier und Nudeln plötzlich Mangelware waren und Ostern ohne Familie stattfinden musste…

und plötzlich haben alle Steine bemalt

In dieser Zeit haben sich die jungen Autorinnen Juna Nieves (Review ihres Debütromans findet ihr hier) und Antonia Quirl zusammengetan und in ihrem engeren und weiteren Bekanntenkreis nach Erfahrungen gefragt. Mit zwei Fragebögen (einer für Kinder, einer für Erwachsene) sollte ein vielfältiger Einblick in den ungewöhnlichen Alltag des Frühlings 2020 gewährt werden. Jeder erzählte aus seinem Leben, mit all den guten und den schlechten Veränderungen, die die Kontaktsperren mit sich brachten. Damals, als die Innenstädte noch gruselig leer waren. Es ist gar nicht so lange her.

Bis Anfang Mai wurden die Antworten gesammelt. Das heißt, dass die Maskenpflicht gerade eingeführt wurde, als die Arbeiten am Buch beendet wurden. In Rekordzeit wurde daraufhin der Sammelband veröffentlicht. Das Buch gibt es für 9,95€ in allen Buchhandlungen und online zu kaufen. (direkt vom Verlag: RediromaVerlag)
Herausgekommen ist ein von der Illustratorin piepfein freundlich gestaltetes Taschenbuch voller kürzerer und längerer Erzählungen von den verschiedensten Menschen. Ich hatte zu Beginn die Sorge, dass sich die dargestellten Erfahrungen untereinander zu ähnlich sind. Immerhin handelt es sich größtenteils um persönliche Bekannte der beiden Autorinnen. Doch ich war positiv überrascht.
Es findet sich eine Vielzahl an Altersgruppen und Berufen, Einstellungen und Lebenssituationen. Nur zwei Dinge fehlen mir bei der Diversität: Die meisten Beiträge stammen örtlich aus NRW (vor allem Leverkusen), wodurch die politischen Entscheidungen in anderen Bundesländern untergehen, und ich hätte gerne mehr über die Gedanken von Jugendlichen gelesen. Sie sind unterrepräsentiert, und wenn sie dabei waren, haben sie nicht viel Text geschrieben. Aber ich frage mich auch, ob ich im Teenager-Alter gerne bei so etwas mitgemacht hätte…

Was mir bezüglich der repräsentierten Meinungen noch aufgefallen ist: Die meisten Protagonisten im Buch legen Wert auf den Schutz ihrer Mitmenschen und viele berichten von positiven Änderungen und Erkenntnissen. Andere haben weniger Glück in ihrer Situation, sehen aber trotzdem den Sinn in den Maßnahmen. Ein paar üben auch Kritik an den strengen und zum Teil überstürzten, unreflektierten Maßnahmen. Aber keiner hat irgendwas von QAnon oder der New World Order von sich gegeben. Doch haben wir nicht festgestellt, dass wir alle irgendjemanden im Bekanntenkreis haben, der mit Überzeugung daran glaubt? Hätten diese Leute das Buch nicht dankbar genutzt, um ihre wirren Ansichten zu verbreiten? Oder sind es doch nicht so viele und sie wirken im Netz nur übermäßig präsent? Es ist keine Kritik am Buch, sondern eine ernsthafte Frage, die mir aufkam. Immer wieder der Gedanke: Ist das nun wirklich ein Querschnitt durch die Gesellschaft oder ist das Gesamtergebnis „verfälscht“?

Abgesehen davon kann ich nur empfehlen, die 244 Seiten zu durchstöbern. Durch die kurzen, in sich geschlossenen Abschnitte (jede Person wird einzeln vorgestellt), ist das Corona-Logbuch super für Zwischendurch. Ganz egal, wie wenig Zeit man hat, ein paar Seiten gehen immer. Und ich habe sowieso nie lange am Stück gelesen, sondern immer wieder über das nachgedacht, was die Interviewten geschrieben haben. Es sind ein paar bewegende, aber auch ein paar belanglosere Geschichten dabei. Eben so, wie die Realität aussah, und noch aussieht.

Kleiner Tipp an alle Fans von Untoter Rockmusik: Edward J. Freak der Band Superhorror hat auch mitgemacht! Und auch, wenn es absolut kein dominantes Thema ist, findet man im Buch immer mal wieder Personen, denen das gemeinsame Livemusikhören fehlt. Ihnen und allen anderen wünsche ich ganz viel weiteres Durchhaltevermögen und Verständnis. Eines wird durch das Corona Logbuch klar: Wir müssen alle gemeinsam durch diese Sch*****. 😉

Konzert mit Social Distancing

Den Haag – Skelette auf der Straße & 80s Pop am Strand

Wenn die Sommerfestivals wegfallen, hast du stattdessen die Gelegenheit, mit deiner Reisetruppe neue, andere Ziele zu erkunden. Die Musik und die Attitude darfst du natürlich mitnehmen. Oder sie vor Ort in kleinen Seitengassen entdecken. Dazu etwas Klassenfahrt-Feeling im Hostelzimmer, gepaart mit dem totalen Gegenteil, nämlich einem Tag der Strand-und-Cocktail-Dekadenz – und schon hast du das perfekte Wochenende!

Das vergangene Wochenende waren wir in Den Haag. Das Städtchen in der Niederlande liegt etwa 2,5 h von Düsseldorf entfernt (von dort kam der Großteil der Gruppe) und ca. 3 h von Köln. Scheveningen Beach ist der s(tr)andige Stadtteil von Den Haag und eine Touristenfalle, wie sie im Buche steht. Von Naturbelassenheit keine Spur. Aber für diesen einen sonnigen Tag war es perfekt.

Hanna und ich teilten uns ein „Deluxe Zimmer“ im Stayokay Hostel. Warum das ein Deluxe im Namen hatte? Keine Ahnung.
Gut, die Betten waren bezogen, als wir ankamen. Und man musste es sich nicht mit Fremden teilen. Aber ansonsten war es einer der engsten und am wenigsten ausgestatteten Räume, in denen ich je übernachtet habe. Mit unserem Gepäck war der Gang schon voll und man hatte sogar den Deckel vom Klo abmontiert, damit dort auch ja keine Kleidung drauf abgelegt werden konnte!
Nebenan das Gruppenzimmer, in dem Simon und Amara schliefen, war deutlich größer. Es hatte sogar einen Tisch! Doch man munkelt, dass die Intromusik von Pornhub nachts aus unbekannten Kopfhörern erklang… Hostelleben <3

Am Freitagabend stießen wir zu denen, die schon donnerstags angereist waren. Sie saßen auf einem kleinen Boot, das in einer Gracht lag und die Erweiterung eines Restaurants / Biergartens bildete. Zu unserer deutschen Reisegruppe hatten sich noch zwei Locals gesellt – einer aus Deutschland in die Käselande zugezogen, der andere von der Gattung „Ureinwohner“.
Wir saßen also zu acht an diesem Tisch, mit frittiertem Essen vor der Nase, redeten in einem Sprachmischmasch – und wir waren laut. Ich hatte schon Angst, die Gäste nebenan würden sich bald über diese störende Rockerbande aus Deutschland beklagen. Aber sie fanden uns wohl cool und unterhaltsam.
Irgendwann ging es weiter von dem Boot zu einer einfachen Eckkneipe namens Jimz Pub in der Innenstadt. Dort haben wir noch mehr Locals kennen gelernt, eng an die Hauswände und auf dem Boden aufgezeichnete Kästen gequetscht, damit in der kleinen Gasse noch genug Platz für Passanten war. Die Personenzahl pro Kasten war auch begrenzt. Klingt ungemütlich, aber war eigentlich okay und ich fand es eher erstaunlich, wie locker die Corona-Schutzmaßnahmen in der Stadt waren. Außer in der Straßenbahn musste nirgends zwingend eine Maske getragen werden. Überall Hinweise zum Abstandhalten und Desinfektionsmittel schienen zu genügen. Außerdem musste man in Restaurants und Cafés Angaben zu seinem Gesundheitsstatus machen. Aber ein bisschen fahrlässig wirkte das im Vergleich zu den Regeln in Deutschland schon.

Es war eigentlich schön, dass man in der Kneipe so leicht Leute kennen lernen konnte. Zum Beispiel trafen wir ein waschechtes Punkerpärchen, das noch zur Aftershowparty zu sich nach Hause einlud. Aber es war auch unglaublich nervig, wie oft wir anderen Gästen die Fragen beantworten mussten, wo wir denn her kamen, wer hier mit wem zusammen gehörte und warum wir uns ausgerechnet Den Haag für unseren Kurzausflug ausgesucht hatten. Dabei waren die Fragenden freundlich, aber auch etwas aufdringlich. So als ob wir als Deutsche schon etwas total Exotisches wären und natürlich musste einer gleich davon erzählen, wann er mal in München war. Wie seht ihr das, aber ich finde solche Unterhaltungen ziemlich unnötig. Einfach als gewöhnlicher Besucher der Kneipe betrachtet zu werden, finde ich deutlich angenehmer, ganz egal wo ich bin auf der Welt.
Übrigens, in diesem Laden fehlte nicht nur der Klodeckel, sondern die Brille war gleich mit abmontiert worden und lehnte lässig an der Wand neben der Schüssel.

Ein Teil unserer Reisegruppe ging nach der Sperrstunde der Bar noch zur „Aftershowparty“ des Pärchens. Der andere Teil, zu dem ich auch gehörte, ging ganz spießig zurück ins Hostelzimmer. Am nächsten Tag war immerhin Strand angesagt und wir wollten nicht allzu spät dort hin.

Also am nächsten Morgen erst mal Pfannkuchen gefrühstückt und dann ab nach Scheveningen Beach. Dort trafen wir auf gigantische Hotelanlagen, Geschäfte mit Bademoden und Spielsachen aller Art, Beach Bars, Grill Restaurants und Eisdielen, ein Riesenrad, einen Sprungturm für Bungee Jumping und eine Zipline quer über den Pier.
Unsere Gruppe (ausgerechnet die, die am Vortag länger feiern gewesen waren, waren auch schon früher da) lag kreuz und quer mit Hand- und Strandtüchern auf dem heißen Sand. Aus einer Bluetoothbox kam der wirrste Musikmix des aktuellen und letzten Jahrhunderts. Von hartem, so gar nicht zur Umgebung passenden Metal über zuckersüßen 80s Pop bis hin zu Anime Intros und den trashigen Kultpartysongs der 90er. Und wieder waren wir damit relativ laut für einen Strand. Aber hey, das hilft beim Social Distancing 😉

Das Wasser war fantastisch zum Schwimmen oder einfach durch die Wellen Hüpfen. Wieder an Land dann überteuerte Getränke aus viel zu billigen Plastikbechern und Sand überall. Viel mehr haben wir aber nicht gemacht. Es war ein ruhiger Samstag.

Abends gab der Regen der Stadt eine besondere Atmosphäre. Da waren diese kleinen typisch holländischen Häuser, aber hinter ihnen ragten hochmoderne, riesige kalte Wolkenkratzer mit ihren schwachen Lichtern in den Himmel. Sie alle hatten verschiedene Formen und wirkten monumental und futuristisch. Zwischen ihnen spiegelnde Pfützen und skurrile Kunst überall in den Straßen.

Zum Abschluss des Abends suchte sich jeder ein belgisches Craftbier in einer Kneipe aus, die noch in den 70ern hängen geblieben war. (Im Dekadenbingo haben wir nun gewonnen.) Sie hatte eine dunkle Holzvertäfelung, Lampenschirme über jeder Glühbirne, eine Jukebox und einen Teppich auf dem Tisch. Die Musik und die Gäste am Tresen ergänzten das Bild perfekt. Mitten in Chinatown, wohlgemerkt. Der Laden heißt Café De Waag.

An unserem letzten Tag, dem Sonntag, teilte es sich wieder auf. Ein Teil war von der durchgemachten ersten Nacht zu müde und fuhr heim. Oder wurde heim gefahren, besser gesagt xD
Meine Wagenladung schaute sich noch das Escher Museum sowie ein paar Ecken der Stadt bei Tageslicht an. Den Namen von M. C. Escher (nein, er ist kein Rapper) kennt wahrscheinlich nicht jeder, aber seine Kunst dürfte jeder schon mal gesehen haben. Fotos habe ich in dem Museum nicht gemacht, aber dafür habe ich hier ein paar Bilder aus dem Netz gesammelt. Ihr findet sie hier ganz am Ende des Artikels. Zusätzlich zu Eschers Werken gab es ein paar weitere Ausstellungsstücke wie optisches Glas, das die Realität verzerrte sowie interaktive Rauminstallationen, die das selbe taten. Ist definitiv einen Besuch wert!

Zum Abschluss bestaunten wir noch einmal den bekannten Binnenhof bei Tag und sahen auch den malerischen Teich dahinter. Während auf der Straße eine Demo gegen Lukaschenko stattfand. Die Demonstranten zogen an einem Antiquitätenmarkt unter Bäumen vorbei und nicht weit davon waren die künstlichen Skelette in den Straßen.

Also wenn ich an diesem Urlaub etwas besonders geliebt habe, dann diese ganzen einzelnen, fast surrealen Szenerien.


Ab jetzt sind es Eschers Werke

Warum mag man eine bestimmte Musik?

Nachdem ich zuletzt gefragt hatte, was überhaupt eine Szene ausmacht (hier geht’s zum Beitrag), möchte ich heute die Frage stellen, warum man eine bestimmte Musikrichtung oder auch einen einzelnen Song oder Künstler mag oder warum nicht. Auch dazu will ich von meiner persönlichen Sicht auf die Musik erzählen; aber vor allem will ich wissen, wie es bei euch ist.

In der Uni haben wir als Anhaltspunkt fürs Fanwerden gelernt, dass man immer Künstler mag, die einem entweder ähnlich sind, die unsere Vorbilder sind oder in die man ein wenig verknallt ist. Klingt überraschend einleuchtend. Doch immer, wenn ich damit ankomme, schreien sofort Leute auf, dass sie manche Songs allein wegen der Musik mögen!!1!!!11 Was würde mir denn einfallen, so oberflächlich zu sein?!?!1
Gut, dann weiten wir es darauf aus, dass man nicht unbedingt dem Interpreten ähnlich sein oder ihn geil finden muss. Aber dann überträgt sich das Schema auf den Protagonist oder Inhalt des Songs. Ähneln der Text oder die Person bzw. die Sichtweise des Werks dem eigenen Leben oder sind sie für dich ein Ideal? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch – auch weil Lyrics oft daraus ausgelegt sind, auf möglichst viele persönliche Situationen zu passen. Doch genau das mag ich an ihnen, denn so werden sie immer wieder wichtig für dich.
Wenn du ein Musikstück aber wirklich nur wegen der aufeinanderfolgenden Akkorde und der Gesangsstimme magst, ohne im geringsten auf den Künstler, seinem Lifestyle oder den Inhalt zu achten, ist es gut möglich, dass du selbst Musiker bist. Denn dann ist der Urheber/Komponist wieder entweder jemand, dem du ähnlich bist (auf gleichem Level talentiert) oder eines deiner Vorbilder, weil du auch so gut sein möchtest.

Bei wem nichts davon zutrifft, was ist es dann? Was genau spricht dich an dem Song an?

Quelle: Pixabay

Ich bin kein Instrumentalist. Allerdings habe ich mein ganzes Leben lang gesungen. Also erkenne ich Harmonien, schiefe Töne, Rhythmen und auch zum Teil den Schwierigkeitsgrad oder Einfallsreichtum einer Melodie. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Und wenn sich die zweite Geige von rechts kurz verspielt hat, merke ich das vermutlich nicht. Eine gute Stimme ist mir dafür oft wichtig.

Durch meine Sichtweise achte ich also zum Beispiel darauf, wenn ein Song sich zwar geil anhört, aber nicht gut zum Singen geeignet ist. Trifft lustigerweise auf fast sämtliche Sleaze-Tracks zu. Die kann man beim Livekonzert schön mitgrölen – aber nicht melodiös und effektvoll vortragen. Andererseits gibt es Songs, die ich mir selten auf CD oder live anhören würde. Das wäre langweilig. Aber zu singen machen sie unglaublich Spaß. Bei manchen Songs davon ist es am besten, sie alleine, laut und voller Emotion im Auto einem unsichtbaren Publikum zum Besten zu geben, andere sind perfekt für ein Duett auf der echten Bühne.

Wenn du daran gewöhnt bist, einen Song im Chor zu singen, nur mit Klavier oder Gitarre, rückt außerdem oft das Genre, in dem das Original aufgenommen wurde, komplett in den Hintergrund. Manchmal weiß man es gar nicht! Stattdessen wird das Songwriting selbst viel wichtiger; und man merkt erst, wie viele wundervolle Coverversionen der verschiedensten Stile aus diesem einen Werk gemacht werden könnten.

Welche Musikrichtung man mag, hängt manchmal auch mit Konditionierung und Context zusammen. So reagierte ich mit etwa zwölf Jahren wie der Pawlowsche Hund auf …. RnB!
Kein Witz.
Der urbane Musikstil lief immer bei den Fahrgeschäften auf dem größten Jahrmarkt im Dorf. Das war ein jährliches Highlight wie Wacken für uns Kiddies und löste bei mir im Kopf automatisch folgende Gedanken aus: vier Tage Party, du darfst lange aufbleiben, jeden Tag Programm, Autoscooter und Flugsimulator, Crepe mit Nutella und warme Sommernächte mit Freunden. Die Musik die dabei lief, hat den positiven Effekt mit abbekommen.

Welche Musik läuft, wenn du träumst oder glücklich bist?

Es kann auch vorkommen, dass ich einen Song lieber mag, nachdem ich das Musikvideo dazu gesehen habe. Wenn dieses nämlich nicht nur die Band live auf der Bühne zeigt, sondern der Aussage einen neuen, am besten abstrakten oder überraschenden Twist gibt, finde ich den gesamten Song plötzlich viel interessanter. Diese „was hat sich der Künstler dabei gedacht“-Frage wird dann relevant und das Analysieren der Aussagen geht los.

Das Interpretieren von Texten und anderen Werken hab ich schon in der Schule geliebt (#LaberfachQueen), aber ebenso gerne hab ich schon immer getanzt. Ergo kann ein Track bei mir punkten, wenn man gut dazu tanzen kann…

Bei meinen geliebten Musicals mag ich natürlich die großen Balladen. Aber fast noch besser sind die Nummern, die schön theatralisch dargestellt werden können. Wenn Abwechslung darin ist, wenn sie verschiedene Emotionen wiederspiegeln, man damit „spielen“ kann und einfach Lust bekommt, in die Rolle reinzuschlüpfen. Wer dieses Gefühl kennt und weiß, was ich meine, Hand hoch! 😀

Dragqueens kennen dieses Gefühl jedenfalls 😀

Politische oder Gesellschaftliche Botschaften im Song? Ja, gerne. Aber weder bin ich ein sonderlich großer Fan von rotziger 3-Akkord-Punkmusik noch mag ich es, wenn die Aussagen zu unverblümt sind. Fun Fact ist also: Der Hauptgrund, weswegen ich die Musik der Onkelz nicht mag, ist nicht etwa die politische (von mir aus ehemalige) Einstellung der Band – sondern dass ihre Texte zu direkt sagen, was sie meinen. Das langweilt mich bei Kunst unfassbar! Deswegen mag ich bei bildenden Künsten auch nicht den, der am besten den Pinsel schwingen kann, sondern den, der am meisten „WTF?!“ in meinem Hirn auslöst.

Bei Partys ist es schön, wenn man durch die Musik für kurze Zeit komplett die Sau rauslassen kann. Wenn sie einen Lebensstil wie den der alten Rockstars wiederspiegelt, hat man zumindest für diesen Abend das Gefühl, genau so eskalieren zu können. Das macht den Kopf frei vom Alltag mit all seinen Regeln. Oder es ist etwas wie richtig atmosphärische Synthwave, in dem man sich vollkommen verlieren kann. Auch das hebt aus dem Alltag raus und ist mein persönliches Gegenbeispiel zu den Thesen vom Anfang: Ich hab keine Ahnung von den Machern dieser Musik, einen Text oder Handlung haben sie selten, aber ich kann mich allein in den Klängen verlieren. Und dazu braucht es nicht unbedingt vernebelte Bedingungen 😛

Und zu guter Letzt noch eine beliebte These, an der aus meiner Sicht sicherlich etwas dran ist: Von Natur aus ruhige, friedliche Menschen bevorzugen laute, harte Musik um innerlich ausgeglichen zu sein. Während Menschen, die zu Wut und Hektik neigen, sanfte Klänge brauchen, um auf den Boden zu kommen.

Wie sieht es bei dir aus? Bunt gemischte Gründe oder klare Vorstellung von gutem Sound?

Mach deine Musikwelt, wie sie dir gefällt!

Auf dieser Plattform findet ihr Kulturstreams jeder Art und als Künstler ein Bühne

Interview mit Tim Jaspert, Head of Rausgegangen 

Ich wohne nun seit knapp einem Jahr in Köln, hatte aber noch nie Probleme damit gehabt, Events zu finden. Ganz im Gegenteil, eher wurde ich auf zu viele Angebote in der Stadt und Umgebung aufmerksam, oft über Facebook oder Freunde, die mich eingeladen haben und auch Geheimtipps kannten. Doch wenn man in der Stadt wohnt und auf der Suche nach Abwechslung ist, oder nach Leuten mit gleichen Interessen, dann ist das Konzept von Rausgegangen genau das Richtige! 

Doch um diese Kölner Eventplattform, die im Interview noch genauer erklärt wird, soll es heute gar nicht primär gehen. Heute soll es um die brandneue Schwesterplattform Dringeblieben gehen, die in kürzester Zeit vom ​Rausgegangen-Team auf die Beine gestellt wurde. 

Dringeblieben ist für Musiker und andere Kreative – sowie für all diejenigen, die das kulturelle Programm in der Stadt vermissen – eine kleine Schatzkiste. Denn auch wenn inzwischen jeder weiß, dass Künstler ihre Programme online streamen, muss man von den einzelnen Angeboten ja irgendwie erfahren, ohne das ganze Internet durchsuchen zu müssen. Auf Dringeblieben kann man wunderbar stöbern und etwas Neues entdecken. Und als Künstler hat man die Möglichkeit, im Rahmen dieser Plattform leichter gefunden zu werden. 

Tim Jaspert

Im Interview erzählt euch Tim Jaspert, Head of Rausgeganen, selbst mehr von diesem schönen Projekt, das in Zeiten der Corona-Krise dabei helfen soll, die Kultur aufrecht zu halten: 

Foxxy: Hallo Tim, ihr bietet auf der Plattform verschiedene kulturelle Livestreams an. Kannst du ein paar Beispiele nennen, was man so alles finden kann? 

Tim: Klar! Im Prinzip deckt es die gleiche Bandbreite ab, die wir vorher bei Rausgegangen hatten. Wir wollen jegliche Form der Kultur darstellen: Von Konzerten, über Comedy und Poetry Slam, oder auch mal Yoga und Sport Events, bis hin ​zu DJ Sets haben wir jegliche Form von Streams dabei. Wir hatten sogar schon einige Veranstalter, die ihre Festivals über uns online gestreamt haben, zumindest in abgespeckter Form. 

Als Beispiel hatten wir schon mehrere Konzerte mit Mine und ​bald steht ein Konzert von Fortuna Ehrenfeld mit eingebauter Theaterperformance der FreakAdemy an. [Interview fand vor dem Konzert statt] Ansonsten haben wir einige Hip Hop Streams, Comedy hat Lukas Wandke schon über uns gezeigt … das ist so die Bandbreite der Plattform. 

Ah, Mine kenne ich auch! Die Antwort hat meine zweite Frage schon ein bisschen abgedeckt. Aber wenn ich jetzt ein Künstler bin oder Kreativer: Wer kann sich alles bei euch melden? Sucht ihr nach bestimmten Programminhalten? Und wie geht das? 

Im Grunde kann jeder mitmachen. Wir freuen uns über den vielen spannenden, kulturell wertvollen Input! Auf der Website haben wir ein Formular, mit dem man sich als Künstler ganz einfach anmelden kann. Wir bekommen recht viele Anfragen, deswegen schaffen wir es natürlich nicht, immer sofort zu antworten. Aber wir versuchen, die Anfrage schnell zu bearbeiten und ​allen Bewerbern einen Stream zu ermöglichen. 

Gerade ​sind wir außerdem dabei, die Plattform zu expandieren. Dann sollen nicht mehr nur Events aus Köln & Berlin zu sehen sein, sondern wirklich aus ganz Deutschland und über Deutschland hinaus. ​Derzeit haben wir bereits weitere Streamingpartner in Wuppertal, Düsseldorf, Aachen, Dortmund und Hamburg. Also egal von wo, wir freuen uns, wenn Leute über uns streamen wollen. Deswegen gibt es auch keine Vorgabe, was wir besonders suchen und was nicht. Jede kulturell wertvolle Form findet bei uns Platz. 

Künstlerin im Stream, Foto: Vankey’s Pictures

Gerade ist eh alles ortsunabhängig. Bei Streaming ist es ja egal, ob es von Köln oder von sonst wo her kommt. 

Klar, wir freuen uns auch, wenn wir ​an möglichst vielen verschiedenen Orten gestreamt werden. Viele Künstler haben ja besonders viele Fans in ihrer direkten Umgebung und die schauen dann von dort zu. ​Es ist schön zu sehen, dass das Projekt auf diese Weise in ganz Deutschland Anklang findet. Wir hatten sogar schon Streams aus Melbourne und Südafrika, darüber haben wir uns besonders gefreut. 

Gibt es dabei denn ein Monetarisierungskonzept? Ist es möglich, dass sowohl die Künstler als auch ihr durch diese Streams etwas einnehmt? 

Wir haben ein Ticketingsystem. Das heißt, die Streamer können von den Nutzern oder Viewern mit virtuellen Supportertickets unterstützt werden. Das wird auch ganz gut genutzt, wir konnten inzwischen schon über​ 221.000 Euro für Kulturschaffende einsammeln, was für sie natürlich super ist. So können auch Künstler ihre Darstellungen etwas monetarisieren. 

Für uns selbst testen wir gerade verschiedene Wege, ​vor allem im Bereich von Sponsorings und Markenkooperationen, ​damit sich die Plattform auch in Zukunft tragen kann. ​Derzeit denken wir auch über eine Gebührenfinanzierung, eine ​Art Subscriber-System oder andere Kooperationen nach, die man eingehen kann. ​Das sind aber erst einmal alles nur Überlegungen, noch steht nichts fest. 

Das Team von Rausgegangen

War es denn schwierig für euch, regelrecht über Nacht etwas Neues aus dem Boden zu stampfen und euer komplettes Konzept zu ändern. Wie viel Zeit verging konkret von der Idee bis zur Umsetzung? 

Das war natürlich super anspruchsvoll, weil fast jeder Mitarbeiter plötzlich eine ganz andere Aufgabe hatte. Wir haben allerdings den großen Vorteil, dass wir inhouse eine Tech-Abteilung haben ​und somit alles alleine bauen konnten. 

Das mit der Idee ging super schnell. Wir haben uns am Sonntag den 15.3. im Geschäftsführerkreis zusammengesetzt und beschlossen: Okay, wir machen eine Livestreamplattform. Der CTO hat sich dann direkt die Domain dringeblieben.de gesichert.​ Am Sonntag wurde also der Beschluss gefasst, und nur zwei Tage später sind wir mit der Plattform online gegangen. 

Das heißt, wir haben alles innerhalb von 48 Stunden irgendwie aufgebaut.​ Die Plattform hätte anfangs sicherlich keinen Schönheitspreis gewonnen, das muss man ehrlich sagen. Aber das war uns egal. Uns war wichtig, erst mal ein Zeichen zu setzen; ein positives Zeichen, dass die Kulturszene jetzt zusammenhalten sollte. Wir wollten ​Kunst & Kultur irgendwie zu den Leuten ins Wohnzimmer bringen, damit es mit der Kulturszene weitergehen kann. Deswegen haben wir auch versucht, alles so schnell wie möglich ​umzusetzen. 

Klar war es für alle ​etwas Neues und auch sehr anspruchsvoll, denn eine Streamingplattform ist eine ganz andere Nummer als eine Veranstaltungsplattform. Wir sind aber sehr dankbar, dass uns ​direkt so viel Unterstützung zugesagt wurde​. Viele haben uns mit Tipps und Tricks und helfenden Händen geholfen. Es war sehr schön zu sehen, wie man ​in solchen Situationen zusammenhält und was daraus entstanden ist. 

Es stecken eben alle mit drin und deswegen denke ich, dass es trotz der vielen Nachteile viel Zusammenhalt gibt. Euer Design ist aber relativ schnell aufgebessert worden, oder? Denn als ich zum ersten Mal auf der Seite war, das war etwa zwei Wochen nach dem Start, da sah es nicht mehr nach brandneu oder Entwurf aus. 

Genau, wir haben relativ schnell am Design gearbeitet, damit es ein bisschen schöner aussieht, das stimmt. 

Für die, die es noch gar nicht gekannt haben, was ist denn das eigentliche Konzept hinter dem Original “Rausgegangen”?

Rausgegangen ist im Grunde eine Eventempfehlungsplattform. Wir versuchen, über unsere Website, Instagram, Facebook, App und Newsletter jedem da draußen die besten Veranstaltungen sowie Tipps und Tricks für die Stadt zu empfehlen. Das heißt, den Horizont der Leute zu erweitern und ihnen tolle Veranstaltungen zu empfehlen, damit sie möglichst viel rausgehen. ​Denn wir sind davon überzeugt, dass je mehr Menschen raus gehen, desto mehr neue Freunde lernen sie kennen. Man kommt in Kontakt zueinander und begegnet neuen Menschen und Kulturen. Wir sind überzeugt davon, dass das ein erster Schritt ist, die Gesellschaft ein Stückchen besser zu machen. 

Wir haben also jeden Tag Veranstaltungstipps gegeben, ​für die komplette anstehende Woche. So konntest du dich einfach über das kulturelle Stadtleben informieren. Neben den Veranstaltungsempfehlungen geben wir zudem auch andere Tipps für die Stadt, bspw. Restaurant- oder Barempfehlungen. Unser Herzstück sind aber die Veranstaltungstipps in der Rausgegangen App und auf der Webseite. 

Das war aber nur für Köln? 

Ja, Rausgegangen ist in Köln gestartet, mittlerweile sind wir mit unserer Plattform aber auch in München unterwegs, weitere Städte sollen folgen. Zudem sind wir mit Ask Helmut, das ist unser Pendant in Berlin, bereits in Berlin und Hamburg tätig. 

Vielen Dank für deine Zeit und die Infos! Hier geht’s zu den Streams: https://dringeblieben.de/

Künstlerin während Auftritt, Foto: Vankey’s Pictures

Ein paar Programmpunkte für das kommende Wochenende:

Furcht und Normalität in Zeiten der AfD: https://dringeblieben.de/videos/furcht-und-normalitat-in-zeiten-der-afd

Neon Paradise: https://dringeblieben.de/videos/neon-paradise-live-stream

Bandpool präsentiert: Releasekonzert: BLINKER – „Blitz“ EP https://dringeblieben.de/videos/bandpool-prasentiert-releasekonzert-blinker-blitz-ep

Lagerfeuer Deluxe präsentiert Stud & Dan O´Clock (Live Stream): https://dringeblieben.de/videos/lagerfeuer-deluxe-prasentiert-stud-live-stream

Ehrenfeld Streamgarten mit Giirl: https://dringeblieben.de/videos/ehrenfeld-streamgarten-mit-giirl

Cocktaikurs on Air: https://dringeblieben.de/videos/cocktailkurs-on-air-americano-gimlet-penicillin

Ein Liebesroman über eine Obdachlose in Köln?! (Buchverlosung!)

juna Nieves_kind dieser Stadt

Buchrezension – KIND DIESER STADT

Im Interview zum Debütroman – „Kind dieser Stadt“ von Juna Nieves habe ich euch die frisch gebackene Autorin Juna aus Leichlingen bereits persönlich vorgestellt. Heute soll es um ihre einzigartige Geschichte gehen.

Der Roman „Kind dieser Stadt“ ist aus der Sicht von David erzählt, einem Studenten aus Köln, der kurz vor seinem Abschluss steht. Sein Leben wirkt total normal für die Situation in der er sich befindet. Bis zu dem Tag als er im Park vor seinem Balkon eine junge Frau entdeckt, die ihm Fragen aufwirft – in diesem Augenblick tritt Jule in sein Leben – und wirft es heftig durcheinander.

Jule ist Fan von den Trench Dogs (einer schrägen Rockbank im Retrostil), Michel aus Lönneberga und Green Day. David hört auch gerne Green Day, oder auch Guns’N’Roses. Vor allem aber lieben er und seine Jungs einen bestimmten Song der Neuen Deutschen Welle.  Zwei Alternative Seelen also, die sich gefunden haben? Wir werden es erfahren…

Der Protagonist dieser Story rettet erfrischenderweise mal nicht die Welt. Er ist nicht irgendein Auserwählter. Stattdessen schreibt er seine Bachelorarbeit, wählt einen Beruf, geht feiern, verliebt sich und jobbt am Abend.
Gerade weil er so normal ist – und Dank der lebensnahen Schreibweise der Autorin – kann man sich perfekt in seine Gedanken hinein versetzen.
Jeder von uns kennt diese Momente wie den, in dem der arme Kerl akribisch die Zutatenliste einer Packung Käsetortillas studiert, nur weil er nichts Besseres mit sich anzufangen weiß als sein ‚Schwarm‘ ihm im Supermarkt über den Weg läuft. Oh Hilfe, was nun?! Ahh, Panik! David ist 25 und doch wie ein Teenie wenn er diese Situationen inszeniert, in denen er und Jule sich begegnen. Oder wenn er ganz beflügelt davon ist, dass er ihren Namen zum ersten Mal erfahren hat.

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Juna Nieves beweist bei ihren Erzählungen einen Humor, den man nur durch gute Satzformulierungen ausdrücken kann, wenn Gedanken über Situationskomiken ganz unverblümt offen gelegt werden. Es ist schwer zu beschreiben, doch beim Lesen der Worte muss man schmunzeln. Man kennt diese Gedankengänge nur zu gut und fühlt direkt mit den Charakteren mit.
Zum Beispiel liebe ich eine Szene, die abends in einer Jugendherberge spielt. Da darf man tatsächlich mal in die gnadenlos ehrliche Gedankenwelt zwei junger Männer schauen; in einem Setting, das melancholisch macht. Und zwischendurch wird immer wieder eine Ameisenfarm als Metapher auf das eigene Leben verwendet.

In der Rohfassung des Romans, die ich vorab lesen durfte, war mir Jule noch ein Rätsel. Jetzt dürfen wir auch in ihren Kopf gucken, durch die Brille von Tagebucheinträgen. Die Einträge sind hier und da etwas zu erklärend. Manches würde man ohne Leser vielleicht nicht so schreiben. Doch ihre Worte zeigen, wie sie die Obdachlosigkeit erlebt – mit allen schlechten und auch den wenigen guten Sachen. Der Kontrast zu denen, die eigentlich nur ein stinknormales Leben ohne Luxus führen wird klar deutlich. Denn auch ihr werter Verehrer hat nicht viel Geld und muss oftmals tricksen um ihr helfen zu können. Doch er kann es und er tut es.
Eine weitere Veränderung seit der letzten Fassung ist, dass ein paar Logik- und Wahrscheinlichkeitsfehler ausgebügelt wurden. Nur eine Sache bleibt unlogisch: Niemand schreibt so schnell und problemlos seine Bachelorarbeit! xD Schön wärs… abgesehen davon haben wir viele schöne Entwicklungen und mir gefällt es auch, dass der größte Teil der Geschehnisse im Winter passiert. Es passt einfach.

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In „Kind dieser Stadt“ entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die explizit vor der Kulisse Kölns spielt. Es gibt durch bestimmte Worte oder die beschriebene Karnevalszeit eine hübsche Portion Lokalkolorit. Doch es wird wenig genug verraten, dass jeder seine eigene Fantasie spielen lassen kann. Zum Beispiel wird nie klar, um welchen Park es sich eigentlich handelt, den Jule durchstreift.

Doch es geht nicht nur um Jule und David. Auch Davids bester Freund Matthes steht an einem Wendepunkt seines Lebens.
Ich frage mich, wie vielen Lesern wohl auffällt, was ihn bedrückt bevor er es ausspricht. Da ich es schon vor dem Lesen von Juna wusste, werde ich es von mir selbst wohl nie erfahren. Tatsache ist, dass ich so etwas Ähnliches mal in echt erlebt habe und da zu blind und zu blöd war. Aber das ist eine andere, aus dem richtigen Winkel betrachtet recht irrwitzige Story…. <3 Fazit auch daraus: Alles in diesem Buch ist so verdammt lebensnah!

Letztlich motiviert „Kind dieser Stadt“ einen auch, ein bisschen anders über diejenigen unter uns nachzudenken, die nicht das Glück eines festen Wohnsitzes haben. Das Thema ist zu komplex als dass der Roman eine allgemeingültige Erklärung liefern könnte, wie man in die Obdachlosigkeit hinein gerät und wieder raus kommt. Doch es ist schön, dass Jule als ganzer Mensch betrachtet wird. Nicht nur als Pfandsammlerin.

Einen ernsthaften Kritikpunkt muss ich noch da lassen: Ich mag den Klappentext nicht.
Er wird der Seele des Romans nicht gerecht und ist zu banal und beschreibend. Ich bevorzuge Textauszüge aus spannenden, vielsagenden Szenen.
Beim Lesen des Buch hatte ich aber gleich zwei Mal meinen Spaß. Als ich es zum zweiten Mal durch hatte und zu klappte, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen.
Mir war die ganze Zeit etwas nicht aufgefallen!
Eine Sache, die eigentlich so wichtig ist und so oft vorkommt…. und ich habe es nie gemerkt.
Lest es um zu verstehen, was ich meine 😉
Ich kann schon blöd sein. Doch jetzt verstehe ich auch, warum Juna auch meine Texte gerne liest. Wir beide sehen das Leben glaub ich als musikalisch untermaltes Gesamtkunstwerk.

Wie das Leben der Kölner Clique am Ende des Buches aussieht und welche Songs darin eine Rolle spielen, müsst ihr allerdings selbst herausfinden.

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Du willst dein eigenes Exemplar von „Kind dieser Stadt“?
Dann lasse hier einen Kommentar da und verrate mir, aus welcher Stadt du kommst.
Wenn aus Köln, dann natürlich dein Veedel.

Viel Erfolg!

 

Interview zum Debütroman – „Kind dieser Stadt“ von Juna Nieves

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Quelle: Pixabay

Juna Nieves lebt in Leichlingen, einer kleinen Stadt nordöstlich von Leverkusen. Die Metropole Köln mit ihren diversen Lebenswelten ist nicht weit entfernt. Zwei dieser Lebensarten haben die junge Autorin in den letzten Monaten besonders beschäftigt: Das Erwachsenwerden eines Studenten und der Alltag einer jungen Obdachlosen.

Die Geschichte über die beiden Hauptcharaktere und ihre Freunde werde ich euch in den kommenden Tagen noch genauer vorstellen. Heute soll es um die Autorin gehen. „Kind dieser Stadt“ ist ihre erste Veröffentlichung. Dementsprechend aufregend waren die letzten Wochen für Juna. Mir hat sie einen Einblick in diesen Prozess des Schreibens und Veröffentlichens gegeben und ich finde, es kann jeder etwas von ihr lernen, der einmal mit einem eigenen Projekt „da raus in die Welt will“.

Was habt ihr noch in eurer Schublade und würdet es gerne mal veröffentlichen? Was hält euch bisher davon ab?

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Einen schönen guten Tag.  Ich durfte dein Buch Probelesen als es noch im Entwurfsstadium war und sitze nun vor der endgültigen, veröffentlichten Version. Bevor ich rein schaue: Wie viel hat sich denn geändert? Einfach mal als Einblick in den Prozess eines Romans… wie viel ändert man noch ab?

Hey 🙂 Die Idee ist natürlich gleich geblieben, aber hier und da habe ich die Szenen noch etwas ausgeschmückt oder raus genommen, die keinen großen Nutzen erfüllt haben. Die Charaktere habe ich teilweise noch ein wenig lebendiger gestaltet. Mein Buch war ja auch im Lektorat und da kamen natürlich auch Verbesserungsvorschläge. Manchmal nur einzelne Wörter betreffend, aber durchaus auch Szenen betreffend, für die ich als Autor blind geworden bin. Für mich war das alles logisch, für den Leser nicht unbedingt. Außerdem hat eine Testleserin mich auf die Idee gebracht Tagebucheinträge aus einer anderen Perspektive einzubauen. Insgesamt hat die Geschichte, denke ich, durch die Überarbeitung  schon eine gelungenere Dynamik bekommen, aber dir wird nicht alles neu vorkommen.

Kannst du in wenigen Sätzen zusammenfassen, worum sich die Handlung dreht?

Es ist eine Mischung aus Coming-of-Age und Liebesroman. Zum einen befindet sich David in der typischen Krise, die junge Leute in den Zwanzigern heutzutage erleben. Wie geht es weiter? Wieso heiraten alle um mich herum? Bin ich bereit für das Erwachsensein? Bin ICH jetzt der Vernünftige hier? Wie gut es ihm in seiner  Lage geht, versteht er erst als er sich in Jule verliebt, die auf der Straße wohnt. Er inszeniert Situationen, um sie kennenzulernen und taucht dann stückweise in ihre Welt ein.

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Viele träumen ja nur davon, Autor/in zu werden. Du hast es durchgezogen. Was hat dich dazu angetrieben oder wie hast du den Weg organisiert?

Ich habe mir in der Grundschule schon gewünscht, einmal Autorin zu werden. Habe mir das aber etwas rosafarbener ausgemalt. Dass es so viel mehr Arbeit bedeutet, außer eine Geschichte zu schreiben, habe ich erst nach und nach gemerkt. Mir war es dennoch wichtig, diesen Traum zu erfüllen und da habe ich zum Glück sehr viel Unterstützung von meiner Familie und Freunden bekommen. Letztes Jahr habe ich zudem ein Fernstudium bei der Textmanufaktur begonnen und ich habe stundenlang Blogs gelesen und an der Online-Autoren-Messe von Jurenka Jurk teilgenommen. Danach hatte ich eine lange To-Do-Liste abzuarbeiten. Das Schreiben geriet da tatsächlich in den Hintergrund..

Das ist ja schon ähnlich wie die Veröffentlichung eines Albums von einer Band 😀  Wie fühlt es sich denn für dich an?

Zum Glück nicht ganz, denn ich habe ja unter Pseudonym veröffentlicht 😉 Es ist sehr seltsam. Ich freue mich natürlich riesig und bin auch sehr überrascht, dass es wirklich funktioniert hat. So ganz ist das noch nicht angekommen.

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Gehst du auch „auf Tour“? Oder würdest du gerne mal? Was machst du, um dein Buch zu promoten?

Es werden eventuell einzelne Lesungen stattfinden, es gibt ein paar Ideen. Aber das wird sich in den nächsten Wochen entwickeln.

Ich versuche meine Facebook- und Instagramseite gut zu pflegen. Außerdem habe ich Flyer gedruckt und darf mein Buch in einzelnen Geschäften zum Verkauf anbieten. Im Zusammenhang mit der Spendenaktion für die Obdachlosenhilfe Kältegang gab es ein Radiointerview, das lokal gesendet wurde.

In „Kind dieser Stadt“ spielt Köln eine große Rolle. Welche Teile und Aspekte der Stadt lernen wir denn kennen?

Natürlich den Dom und den Rhein. Ansonsten habe ich die Örtlichkeiten sehr offen belassen. Mir kam es vielmehr auf das Lebensgefühl an, das in Köln herrscht. Köln ist für junge Leute ein Rausch an verschiedenen Möglichkeiten aber kann eben auch ein Strudel in die Ziellosigkeit sein. Die Mischung aus Anonymität und herzlichem Zusammenhalt. Ein Zitat aus dem Buch ist: „In Köln gibt es nichts, was es nicht gibt“. Und das ist auch der Grund, wieso es dort spielt. Gerade im Bezug auf Obdachlosigkeit ist Köln ganz anders aufgestellt, als kleine Nachbarstädte, das hätte für die Story nicht funktioniert.  Das trifft sicher auf die meisten Großstädte zu, aber als Rheinländerin verbinde ich natürlich viele Erlebnisse mit Köln 🙂 

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Ganz ehrlich: Ist so eine Freiheit, wie dein weiblicher Hauptcharakter Jule sie lebt, manchmal verlockend für dich oder ist es eine reine romantische Illusion? Wie würdest du ihre innere Welt beschreiben?

Absolut nicht. Das wäre für mich der Horror. Ich mag es mich auch zurückziehen zu können. Die Vorstellung, immer unter Menschen bzw. in der Öffentlichkeit zu sein finde ich ganz schlimm. Und da sind wir noch nicht einmal bei Themen wie Hygiene, Nahrung oder Sicherheit. Jule aus meinem Buch ist ein gebranntes Kind. Sie versucht das Beste draus zu machen und stark zu bleiben, vielleicht einzelne positive Aspekte zu sehen und dankbar für das zu sein, was sie hat. Sie hat sich ein Stück weit aufgegeben, aufgehört nach etwas Besserem zu streben. Tief in ihrem Inneren weiß sie aber, dass sie sich ein anderes Leben wünscht.

Wie kamst du auf dein doch eher ungewöhnliches Thema und Setting?

Ich habe es geträumt. Ich fand die Idee spannend und habe das dann eine Weile sacken lassen. Die Charaktere, der Titel, die Umgebung waren sehr schnell stimmig. Ich finde es wichtig, auf gesellschaftskritische Themen aufmerksam zu machen. Im Roman kann ich das am Rande tun, vielleicht beschäftigen sich mehr Menschen damit als mit trockenen Statistiken oder reißerischen Überschriften aus der Zeitung. Ich habe dann gegoogelt und gemerkt, dass es kaum Bücher zu der Thematik gibt und damit standen mir alle Türen offen.

juna nieves_teil 2

Könnte es eine Fortsetzung geben?

Auf jeden Fall. Titel und Cover habe ich schon im Kopf, Plot steht, jetzt heißt es „ran an die Tasten!“

Oder hast du schon neue Ideen im Kopf?

Ich habe auch mehrere andere Ideen, aber Priorität hat David mit seiner Clique 🙂 Eine Fortsetzung, ein Perspektivwechsel oder ein Kurzgeschichtenband zu allen Figuren schweben mir da vor.


Juna Nieves im Web

Interview bei Radio Leverkusen: https://www.radioleverkusen.de/artikel/newcomer-autorin-juna-nieves-502479.html

Facebook: https://www.facebook.com/JunaNievesAutorin/

Instagram: https://www.instagram.com/juna.nieves/

ePubli: https://www.epubli.de/shop/buch/Kind-dieser-Stadt-Juna-Nieves-9783750281042/95267

Amazon: https://www.amazon.in/Kind-dieser-Stadt-German-Nieves-ebook/dp/B084QB2D7V

Blogbeitrag von Fräulein Krög

Just for Fun: So süß ist der StupidFox

Hey Leute,

ich weiß auch nicht, was mich geritten hat, dass ich einen Blogbeitrag daraus mache – aber ich muss euch unbedingt was total Niedliches zeigen!! Habe mich schon durch die ganze Galerie geklickt und will noch mehr Bilder!

Es gibt eine Comicreihe über einen kleinen süßen Fuchs, den StupidFox. Der erlebt mit seinen Freunden dem Hasen, dem Waschbär, dem Vogel und später dem Biber allerlei Abenteuer und lustige Situationen – oder solche, die wir alle nur zu gut kennen. Dabei spielt die Zeichnerin Emily Y. Chan manchmal mit der Realität von Comicfiguren, durchbricht quasi die 4. Wand.

Eine Sticker App mit den Charakteren gibt es auch, leider nur für iOS. 

http://stupidfox.net/

Ein kleiner Einblick in das #totallyRelatable Leben des StupidFox <3

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Habt eine wundervolle, fuchsige Woche! >^.^<

Goth-Paar fasziniert die (Mode)Welt

Gerade wurde meine Instagram-Feed langweilig. Immer die gleichen ‚relevanten‘ Account, die einem die Rechenmaschinen ausspucken. So viel Schönheit und Perfektion….
Ich postete ein Katzenvideo, um auf meine Not aufmerksam zu machen. Doch es war keine Antwort, die ich darauf bekam (vermutlich achteten alle nur auf die Katze), sondern ein Artikel der Vogue, der mich errettete.

Ein Artikel über ein Designer-Duo, das die Welt so noch nicht gesehen hat.

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Diese Füße.
Na, was denkt ihr, wie sie wirklich sind? Ist das ein Schuh? Ist das Photoshop? Ist das eine total irre Bodymodification?
Ich verrat’s am Ende.

Hannah Rose Dalton und Steven Raj Bhaskaran haben sich auf der Modeschule in Paris kennen gelernt. Sie sind jetzt ein Paar und haben zusammen die Marke Fecal Matter ins extraterrestrische (ich musste eben googlen, wie man dieses Wort schreibt) Leben gerufen. Ihre Mission: Die Gesellschaft provozieren.

https://www.instagram.com/p/Bd6DZFwBMkb/?hl=de&taken-by=matieresfecales

Das schaffen sie mit Bildern und Outfits, von denen man nicht weiß, ob man sie abstoßend oder wunderschön finden soll. Sie stellen unsere Ideale infrage. Während die Menschen sich irritiert nach ihnen umdrehen, haben Katzen nur ein müdes Gähnen für ihre Optik übrig.
Wir wussten doch, die Stubentiger sind nicht von dieser Erde!

fecalmatters_dog

Das Duo trägt Schuhe, in denen kein Mensch laufen kann. Mit denen sie über zwei Meter groß sein müssten. Sie scheinen kein einziges Haar am Körper zu haben, verkaufen aber Hundemaulkörbe als Accessoires. „Dieses Teil ist perfekt für deinen Look für den Tag, an dem du aus den Ferien zurück in die Schule kommst! Kombiniere es mit deiner Uniform und du wirst sie alle umhauen!“, heißt es sinngemäß in der Produktbeschreibung. Eine Kundin fragt, ob die Wahlfranzosen in die USA liefern. „Ja!!“, antworten diese mit einem freundlichen Lächeln.

Haben wir uns je darüber Gedanken gemacht, ob Lebensformen anderer Planeten genauso in männliche und weibliche Körper eingeteilt sind wie wir? Warum sollten sie das? Sind Blumen doch auch nicht.
Ob einer Blume wohl dieses Babydoll stehen würde? Es ist Unisex!

fecalmatter_unisex

Fecal Matter tanzen aus der Reihe, und das tun sie gut. Im Rhythmus der Möglichkeiten, die ihnen unser verklärtes Weltchen bietet. Bravissimo.
Die passende Musik zur Mode gibt es hier: https://soundcloud.com/fecalmatter
Ich wünsche viel Vergnügen.

Das Rätsel der Füße: Es sind Prothesen. Hannah hat mehrere davon, die ihren Füßen verschiedene Formen geben. Sie kann sie jederzeit abnehmen, möchte aber irgendwann echte Schuhe in diesem Look kreieren.