Ein Song für Kinder auf der Sternenbrücke

>>Wir können dem Leben nicht mehr Tage geben, aber den Tagen mehr Leben<<

Mit diesem optimistischen Motto heißt das Kinder-Hospiz Sternenbrücke in Hamburg seine Besucher willkommen. Der Musiker MircoM hat selbst einen Sohn, der viel zu früh wieder unsere Erde verlassen musste – doch für die Arbeit und einfach das Da-Sein der Sternenbrücke in dieser schweren Zeit – ist der Gitarrist und Sänger „aus dem hohen Norden“ so dankbar, dass er ihnen und anderen Eltern, die das gleiche durchstehen müssen, mit seiner Musik helfen möchte.

Die meisten seiner Lieder sind sehr emotional, aber auch offen gehalten, sodass jeder sie für sich interpretieren kann. Viele sind Sohnemann Leo gewidmet, doch sie sollen jedem Trost spenden, der sie hört und ein Ventil für Trauer sein. Den Song „Feuer“, der im Oktober erschienen ist, hat er dem Kinder-Hospiz gewidmet. Alle Einnahmen, die durch ihn generiert werden, egal auf welcher Plattform, gehen direkt an die Sternenbrücke.

Ende Februar werden die ersten Zahlen der Spende verkündet.
Wer mehr über das Haus erfahren möchte, das den Kindern ihre verbleibenden Tage mit so viel Leben, Lachen und Freude wie möglich füllen will, der kann man hier ihre Website besuchen. Doch auf Mircos YouTube Kanal findet sich auch eine kleine Video-Vorstellung des Hospizes.

Du möchtest Kindern dabei helfen, dass sie das Musikmachen lernen können, auch wenn sich ihre Eltern weder das Instrument noch den Unterricht leisten können? Ein weiteres Projekt für Kinder, das Project Fame widmet sich genau dieser Aufgabe und hat derzeit noch eine Startnext Kampagne laufen. Nicht mehr benötigte Instrumente jeder Art können dort als Sachspende abgegeben werden und kreative Kids glücklich machen.

Gerne kann jeder auch so spenden, nicht nur über den Song.

Liebe Grüße und ganz viel Kraft an Mirco, die Sternenbrücke und alle Familien da draußen
Foxxy

EP promoten in Lockdown Zeiten

Da dieses Interview lang und ausführlich genug ist, möchte ich keine lange Einleitung schreiben. Nur so viel sei verraten: Es geht um die junge Band Hospital Revival, die ihre erste EP genau dann veröffentlichen und mit Livekonzerten bewerben wollten, als der erste coronabedingte Lockdown Deutschland erwischt hat. Eine ziemlich blöde Situation für einen Act, der sich erst noch einen Namen machen muss … Wie Hospital Revival die Situation erlebt und gemeistert haben, das lest ihr hier.

HOSPITAL REVIVAL, Band-Shooting in der BG-Klinik

Bitte sagt mir, dass ihr euch schon vorher Hospital Revival genannt habt! xD Hat denn irgendwer von euch einen Beruf im medizinischen Bereich?

Ja, tatsächlich haben wir uns schon vor der Pandemie so genannt und jetzt passt  das natürlich umso besser! Tatsächlich arbeitet keiner von uns selbst im direkten medizinischen Bereich, aber teilweise in der Medizintechnik.
Dennoch haben wir gute Bekannte dort, die besonders im Moment wahnsinnig viel leisten. Durch diese war es uns auch möglich, das Promo Shooting in einem richtigen OP zu machen (natürlich auch vor der Pandemie 😉 ).

Ihr schreibt, ihr wollt den Hard Rock wiederbeleben. Ich höre aber auch Metalcore Elemente in eurer Musik (stimmlich, der Wechsel zwischen tief-growlig und klar, die Dramatik), zudem ist der Sound sehr modern. In meinen Augen ist das also eigentlich keine Wiederbelebung von etwas Altem, sondern wie eine Wiedergeburt im frischen, verjüngten Gewand. Oder wie seht ihr das?

Absolut! Nur die alten Bands aus den 70er/80er zu kopieren wäre in unseren Augen keine richtige Wiederbelebung. Es soll, wie du schön beschrieben hast, frisch daherkommen. Wir finden, dass die Musikrichtung derzeit recht krass auseinander driften und jeder versucht seine Nische zu finden, indem noch irgendwas Neues gesucht wird wie bspw. Reggae-Trance-Schlager-Core.
Manches davon hat natürlich seinen Charme und seine Daseinsberechtigung. Wir glauben jedoch auch, dass es nicht immer noch komplexer oder auf irgendeine Weise brandneu sein muss um zu gefallen. Es muss lediglich qualitativ gut gemacht sein und ins Ohr gehen.
Der Begriff Hard Rock lässt viele immer noch nur an Bands wie AC/DC, Deep Purple, Guns’n’Roses oder, um auch noch eine deutsche Band zu nennen, die Scorpions denken. Wir finden das so eigentlich nicht mehr richtig, so beschreiben Stone Sour ihren Stil ebenfalls als Hard Rock. Leider scheint das im allgemeinen Musikbewusstseins in unseren Augen irgendwie noch nicht so richtig angekommen zu sein.
Genau das wollen wir ändern und haben deswegen den Begriff Hard Rock 2.0 geschaffen.

Kommen wir zu eurer Situation: Wann habt ihr euch als Band gegründet? Wie lange hat es bis zur ersten EP gedauert, die genau zur Zeit des ersten Lockdowns erschienen ist?

Richtig dazu entschieden, als Band was auf die Beine stellen zu wollen, haben wir Anfang 2019. Unser Drummer, Bassist und ich (Leadgitarre) spielten bereits vorher in einer Band zusammen, die sich aufgelöst hatte. Weiter Musik machen wollten wir auf jeden Fall und nahmen dann unsere beiden Sänger, von denen einer auch noch Gitarre spielt, mit auf. Diese kannten wir vorher auch schon und hatten ein paar Gigs zusammen gespielt aber nie fest zusammen Musik gemacht.
Songideen hatten wir bereits vorher schon ein paar und wir hatten recht schnell 7 oder 8 Lieder zusammen, von denen es jetzt erst einmal 5 auf unsere EP ROSC geschafft haben. Fertig mit den Aufnahmen waren wir eigentlich schon im Herbst 2019, hatten aber noch kein Programm für ca. 1h live, was wir aber bei Release schon gerne gespielt hätten.
Daher haben wir dann erst mal noch weiter an Songs gearbeitet und wollten im Jahr 2020 unsere Releaseparty geben. Daraus wurde aus bekannten Gründen nichts und wir schoben die VÖ vor uns her, bis wir irgendwann im Sommer bis Herbst anfingen zu denken, eigentlich egal, wir hauen die EP raus und schauen mal wie Sie ankommt und wie viele Leute wir online erreichen.

Der Lockdown hat euch vermutlich kalt erwischt. Wie war denn der zeitliche Verlauf? Was war schon fertig am „letzten normalen Tag“, diesem besonderen Freitag den 13.?

Tatsächlich waren die Songs fertig aufgenommen, gemischt und gemastert. Ebenso hatten wir bereits das Promoshooting hinter uns. Dennoch hatten uns aber dann vor dem Release dazu entschieden Sie nochmal neu zu mischen weil wir das Gefühl hatten, man kann noch ein bisschen mehr rausholen. In den 5 Tagen im Studio war nach dem Recorden leider nicht mehr viel Zeit dafür und so sind wir dann nochmal 2 Tage hin um den finalen Mix zu setzen und haben Sie nochmals zum Mastern weggegeben.
Artwork, Video, Homepage etc. wurden anschließend erst während des Lockwowns fertig gemacht.

Habt ihr normal geprobt im Sommer oder wie habt ihr dieses Jahr als Band verbracht?

Normal geprobt leider nicht, durch die Pandemie wurden die uns verfügbaren Termine noch knapper. Einer von uns arbeitet im Einzelhandel, für den die Pandemie jede Menge Überstunden bedeutete und ein anderer hat Schichtarbeit (auch Sa/So). Das macht die Termine so schon schwierig und in der Pandemie dann fast unmöglich zu planen. Ein paar Mal hat’s trotzdem geklappt und Spaß gemacht, es sind sogar 1 oder 2 Songideen ausgearbeitet worden.

Ihr habt nun also da gesessen und euch überlegt: Wie bringen wir unsere EP „ROSC“ da raus in die Welt, wenn wir daheim bleiben müssen?

Schlussendlich dachten wir, dass gerade World of Chaos (witzigerweise auch schon 2019 geschrieben) derzeit einen Nerv treffen könnte und wollten die Songs nach etlichen Ankündigungen bei Leuten die uns bereits kannten auch endlich mal vorzeigen.

Zu welchen Schlüssen und Strategien seid ihr dabei gekommen?

Als Vertriebspartner haben wir Spinnup gewählt und versuchen es, mit Plattformen für Kuratoren, Influencer etc. ein paar Leuten vorzustellen, was auch für die erste EP recht gut funktioniert hat.
Natürlich lernt man immer was dazu, wenn wir wieder unsere erste EP rausbringen, würden wir vorher unser Spotify Artist Profil claimen und bereits vor Release mehr an Promo machen über Kuratoren.

Welche Probleme gab es, und was hat euch positiv überrascht?

Total positiv überrascht waren wir von einigen Radiosendern. Beispielsweise liefen wir über eine Corona-bedingte Aktion auf dem Karlsruher Radiosender Alternative FM bereits 2,3 Mal am Tag vor Release, was super war! Generell haben wir das Gefühl, im Moment hören die Leute wenigstens mal rein, wenn man kommt und sagt: „Hey wir haben hier was komplett Neues am Start und würden uns freuen, wenn ihr mal zumindest 30-60 Sek. Zeit habt reinzuhören.“
Problematisch ist halt die soziale Distanz, da geht leider einiges an Bandfeeling flöten, wenn jeder nur zu Hause am Releasetag sitzt, der ja wieder voll in die Kontaktbeschränkungen fiel.

Wie habt ihr denn mich oder den Blog gefunden? Über normale Presselisten bin ich ja nicht erreichbar.

Über Instagram hat dich Kathi (Freundin des Gitarristen) entdeckt und meinte die ist cool, schreib Sie mal an, ob Sie auch was über euch schreibt.

[Anmerkung von mir hierzu: Auch Hospital Revival habe ich erzählt, dass es auf diesem Blog keine „gewöhnlichen“ Album-Reviews oder News zu VÖs gibt. Aus folgenden drei Gründen: Weil ich allein gar nicht alles abdecken könnte, was veröffentlicht wird; weil es beim Schreiben redundant wird; und weil es hundertmillionen Magazine gibt, die genau dies tun: Reviews und News. Hier soll es aber persönlicher und kreativer zugehen. 🙂 Also bitte schickt mir keine Links mehr mit der Frage nach einer Rezension. Danke! <3]

Eure Musik lässt sich auf jeder bekannten Streaming Plattform abspielen. Was musstet ihr machen, um da drauf zu kommen?

Wie bereits erwähnt muss man natürlich eine gewisse Qualität abliefern und sich dann als kleine Band für einen Vertriebspartner wie Spinnup, Distrokid, recordJet um nur ein paar zu nennen entscheiden.

Wenn es Live Shows gäbe, was würdet ihr dort machen, um auf die EP aufmerksam zu machen?

Die ganze Energie die uns zur Verfügung steht in c.a. 1h Programm entladen mit einer Show, die unserem Motto entspricht. Dazu hätten wir dann natürlich auch ein paar CD’s machen lassen und ggf. auch Merch. Nur leider kauft das ohne Gigs kaum jmd.

Für wen ist der Sound überhaupt geeignet? Nennt mal drei Bands, deren Fans sich euch anhören sollten.

Stone Sour, Papa Roach, Alter Bridge

Was wünscht ihr euch zu Weihnachten?

Sinkende Fallzahlen, viel Impfstoff und neue Fans 😉

Viele Grüße und danke für das Interview!
Daniel & der Rest von Hospital Revival sowie von Kathi, die dich entdeckt hat

HOSPITAL REVIVAL, Band-Shooting in der BG-Klinik

In dieser Hinsicht ist Billie Eilish „die neue Lady Gaga“

Am Freitag hab ich daheim auf meinem Sofa gesessen und den Livestream von bleibtzuhause.tv verfolgt. Chris, ein Freund von mir, wurde 40 und „feierte“ indem er verschiedene Gäste wie bei einer Talkshow im Livestream traf. Mit eigenen Veranstaltungen und als Vermarkter-Experte der Redrum Rock-Bar ist Chris tief in der Branche verankert. So passte es, seine Geburtstagsfeier als Event auf einem Kanal zu streamen, der ansonsten Livemusik überträgt.

Harte Bart- und Kuttenträger saßen im Abstand beisammen und redeten im Laufe des feuchtfröhlichen Abends plötzlich von einer „Mainstream Sängerin“, die ihnen überraschen gut gefallen hat. Die Beschreibung macht schnell klar: Es geht um Billie Eilish. (Link zum Stream)

Billie ist eine junge Sängerin, gerade einmal 18 Jahr alt, aus Los Angeles.

Sie hat die Charts in den letzten Jahren im Sturm erobert, reihenweise Grammys gewonnen und sogar den Titelsong zum neuen Bond Film geliefert, der leider wegen Corona noch nicht Premiere feiern durfte.
Auffallen tut sie auf den ersten Blick durch ihre leuchtend grünen Haare und den Baggy Style ihrer Kleidung. Die trägt sie konsequent, da es ihre Absicht ist, als Künstlerin wahrgenommen zu werden, ohne dass jemand auf ihren Körper achtet. Kaum zeigte sie sich später im Tank Top oder wurde von Paparazzi erwischt, wurde es dann doch zum großen Thema.
Schon sehr traurig, denn bei den Metal Typen ist es egal, wie ihre Figur aussieht. Da geht es ja angeblich immer nur darum, wie talentiert jemand an den Instrumenten ist. Genau so sollten Musikerinnen auch beurteilt werden dürfen.

Fotos: Universal Music

Billie singt nur, spielt also kein Instrument auf der Bühne (außer bei manchen Songs eine Ukulele), aber sie hat dieses so sehr von den Metalheads gewünschte Talent. Vor allem ist sie kreativ und für den Pop Bereich mutig.
„Pop“ ist ihre Musik eigentlich nur, weil die Promotion an den Mainstream gerichtet ist. Die Songs sind fürs Radio, für die Clubs, für die junge Generation und die große Bühne gedacht; außerdem steht Billie als Person im Fokus anstatt Teil einer Band zu sein. Einzig ihr Bruder Finneas O’Connell ist als Instrumentalist, Produzent und Co-Writer an ihrer Seite der Öffentlichkeit bekannt. Aber sie sind eben keine „Band“ und Eilish sieht sich nicht als Teil einer festen Underground-Szene wie dem Punk oder Goth oder Grunge. Deswegen ist sie „Pop“.

Pop Girls auf Abwegen?

Aber um „typisch Pop“ zu sein, ist alles an ihr und ihrer Musik zu düster und zu anders. Ihre Texte handeln zwar auch von Liebe und vom Feiern, aber sie gehen tiefer, wollen schockieren. Die Videos sind kunstvoll-abstrakt. Genau damit erregt sich auch die Aufmerksamkeit der hart gesottenen Kuttenträger. Und wird nicht von ihnen verlacht. Obwohl sie ein junges Mädchen ist, das vom harten Rock’n’Roll ja keine Ahnung hat.

Unter anderem geht Miley Cirus immer mehr in die rockige Richtung und covert munter die Songs ihrer Lieblingskünstler. Allerdings hat sie als Disney Girl gestartet und wird dieses Image nicht direkt los. Sie hat es schwerer, ernst genommen zu werden. Ich zeige euch mal ein Video, bei dem sie Joan Jett covert, denn ich finde das passt ganz gut. Der Auftritt ist nicht perfekt, aber aus dem Grund, dass sie live singt. Nix mit Playback. Und das ist doch, was ihr von einem Künstler wünscht:

Sich Respekt verschaffen wie „Mother Monster“

Die letzte Pop-Solokünstlerin, die es wirklich geschafft hat, auch in den alternativeren Kreisen ernst genommen wird, ist eben Lady Gaga.

Ihre Songs sind fröhlich-optimistischer als die von Billie, ihr Modestil eindeutig mehr körperbetont. Aber sie beide möchten nicht als stets gut gelaunte, hübsche „sauber-Image“ Frauen wahrgenommen werden – und werden es zum Blück auch nicht. Sie schaffen Kunst und sie ecken an und sie haben etwas zu sagen. Das öffnet ihnen neue Türen und beschert neue Zuhörer.

Ich wünsche mir für Billie, dass sie genau so weiter macht. Dass sie zeigt, dass „populär“ nicht automatisch schlecht und oberflächlich ist. Übrigens wollte ich schon lange gerne diesen Song vorstellen. Er ist von Fergie von den Black Eyed Peas. Aber mit Slash 😉 Und er ist geil.

Weitere Songs von Billie:

Noch ein gutes Cover von Miley:

und noch dieses Meisterwerk zum Abschluss 🙂

Warum mag man eine bestimmte Musik?

Nachdem ich zuletzt gefragt hatte, was überhaupt eine Szene ausmacht (hier geht’s zum Beitrag), möchte ich heute die Frage stellen, warum man eine bestimmte Musikrichtung oder auch einen einzelnen Song oder Künstler mag oder warum nicht. Auch dazu will ich von meiner persönlichen Sicht auf die Musik erzählen; aber vor allem will ich wissen, wie es bei euch ist.

In der Uni haben wir als Anhaltspunkt fürs Fanwerden gelernt, dass man immer Künstler mag, die einem entweder ähnlich sind, die unsere Vorbilder sind oder in die man ein wenig verknallt ist. Klingt überraschend einleuchtend. Doch immer, wenn ich damit ankomme, schreien sofort Leute auf, dass sie manche Songs allein wegen der Musik mögen!!1!!!11 Was würde mir denn einfallen, so oberflächlich zu sein?!?!1
Gut, dann weiten wir es darauf aus, dass man nicht unbedingt dem Interpreten ähnlich sein oder ihn geil finden muss. Aber dann überträgt sich das Schema auf den Protagonist oder Inhalt des Songs. Ähneln der Text oder die Person bzw. die Sichtweise des Werks dem eigenen Leben oder sind sie für dich ein Ideal? Die Wahrscheinlichkeit ist hoch – auch weil Lyrics oft daraus ausgelegt sind, auf möglichst viele persönliche Situationen zu passen. Doch genau das mag ich an ihnen, denn so werden sie immer wieder wichtig für dich.
Wenn du ein Musikstück aber wirklich nur wegen der aufeinanderfolgenden Akkorde und der Gesangsstimme magst, ohne im geringsten auf den Künstler, seinem Lifestyle oder den Inhalt zu achten, ist es gut möglich, dass du selbst Musiker bist. Denn dann ist der Urheber/Komponist wieder entweder jemand, dem du ähnlich bist (auf gleichem Level talentiert) oder eines deiner Vorbilder, weil du auch so gut sein möchtest.

Bei wem nichts davon zutrifft, was ist es dann? Was genau spricht dich an dem Song an?

Quelle: Pixabay

Ich bin kein Instrumentalist. Allerdings habe ich mein ganzes Leben lang gesungen. Also erkenne ich Harmonien, schiefe Töne, Rhythmen und auch zum Teil den Schwierigkeitsgrad oder Einfallsreichtum einer Melodie. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Und wenn sich die zweite Geige von rechts kurz verspielt hat, merke ich das vermutlich nicht. Eine gute Stimme ist mir dafür oft wichtig.

Durch meine Sichtweise achte ich also zum Beispiel darauf, wenn ein Song sich zwar geil anhört, aber nicht gut zum Singen geeignet ist. Trifft lustigerweise auf fast sämtliche Sleaze-Tracks zu. Die kann man beim Livekonzert schön mitgrölen – aber nicht melodiös und effektvoll vortragen. Andererseits gibt es Songs, die ich mir selten auf CD oder live anhören würde. Das wäre langweilig. Aber zu singen machen sie unglaublich Spaß. Bei manchen Songs davon ist es am besten, sie alleine, laut und voller Emotion im Auto einem unsichtbaren Publikum zum Besten zu geben, andere sind perfekt für ein Duett auf der echten Bühne.

Wenn du daran gewöhnt bist, einen Song im Chor zu singen, nur mit Klavier oder Gitarre, rückt außerdem oft das Genre, in dem das Original aufgenommen wurde, komplett in den Hintergrund. Manchmal weiß man es gar nicht! Stattdessen wird das Songwriting selbst viel wichtiger; und man merkt erst, wie viele wundervolle Coverversionen der verschiedensten Stile aus diesem einen Werk gemacht werden könnten.

Welche Musikrichtung man mag, hängt manchmal auch mit Konditionierung und Context zusammen. So reagierte ich mit etwa zwölf Jahren wie der Pawlowsche Hund auf …. RnB!
Kein Witz.
Der urbane Musikstil lief immer bei den Fahrgeschäften auf dem größten Jahrmarkt im Dorf. Das war ein jährliches Highlight wie Wacken für uns Kiddies und löste bei mir im Kopf automatisch folgende Gedanken aus: vier Tage Party, du darfst lange aufbleiben, jeden Tag Programm, Autoscooter und Flugsimulator, Crepe mit Nutella und warme Sommernächte mit Freunden. Die Musik die dabei lief, hat den positiven Effekt mit abbekommen.

Welche Musik läuft, wenn du träumst oder glücklich bist?

Es kann auch vorkommen, dass ich einen Song lieber mag, nachdem ich das Musikvideo dazu gesehen habe. Wenn dieses nämlich nicht nur die Band live auf der Bühne zeigt, sondern der Aussage einen neuen, am besten abstrakten oder überraschenden Twist gibt, finde ich den gesamten Song plötzlich viel interessanter. Diese „was hat sich der Künstler dabei gedacht“-Frage wird dann relevant und das Analysieren der Aussagen geht los.

Das Interpretieren von Texten und anderen Werken hab ich schon in der Schule geliebt (#LaberfachQueen), aber ebenso gerne hab ich schon immer getanzt. Ergo kann ein Track bei mir punkten, wenn man gut dazu tanzen kann…

Bei meinen geliebten Musicals mag ich natürlich die großen Balladen. Aber fast noch besser sind die Nummern, die schön theatralisch dargestellt werden können. Wenn Abwechslung darin ist, wenn sie verschiedene Emotionen wiederspiegeln, man damit „spielen“ kann und einfach Lust bekommt, in die Rolle reinzuschlüpfen. Wer dieses Gefühl kennt und weiß, was ich meine, Hand hoch! 😀

Dragqueens kennen dieses Gefühl jedenfalls 😀

Politische oder Gesellschaftliche Botschaften im Song? Ja, gerne. Aber weder bin ich ein sonderlich großer Fan von rotziger 3-Akkord-Punkmusik noch mag ich es, wenn die Aussagen zu unverblümt sind. Fun Fact ist also: Der Hauptgrund, weswegen ich die Musik der Onkelz nicht mag, ist nicht etwa die politische (von mir aus ehemalige) Einstellung der Band – sondern dass ihre Texte zu direkt sagen, was sie meinen. Das langweilt mich bei Kunst unfassbar! Deswegen mag ich bei bildenden Künsten auch nicht den, der am besten den Pinsel schwingen kann, sondern den, der am meisten „WTF?!“ in meinem Hirn auslöst.

Bei Partys ist es schön, wenn man durch die Musik für kurze Zeit komplett die Sau rauslassen kann. Wenn sie einen Lebensstil wie den der alten Rockstars wiederspiegelt, hat man zumindest für diesen Abend das Gefühl, genau so eskalieren zu können. Das macht den Kopf frei vom Alltag mit all seinen Regeln. Oder es ist etwas wie richtig atmosphärische Synthwave, in dem man sich vollkommen verlieren kann. Auch das hebt aus dem Alltag raus und ist mein persönliches Gegenbeispiel zu den Thesen vom Anfang: Ich hab keine Ahnung von den Machern dieser Musik, einen Text oder Handlung haben sie selten, aber ich kann mich allein in den Klängen verlieren. Und dazu braucht es nicht unbedingt vernebelte Bedingungen 😛

Und zu guter Letzt noch eine beliebte These, an der aus meiner Sicht sicherlich etwas dran ist: Von Natur aus ruhige, friedliche Menschen bevorzugen laute, harte Musik um innerlich ausgeglichen zu sein. Während Menschen, die zu Wut und Hektik neigen, sanfte Klänge brauchen, um auf den Boden zu kommen.

Wie sieht es bei dir aus? Bunt gemischte Gründe oder klare Vorstellung von gutem Sound?

Mach deine Musikwelt, wie sie dir gefällt!

Von Coming Outs, Lockdowns & Songs von queeren Musikern

Am letzten Tag des Pride Monats erinnere ich mich zurück an den Juni im letzten Jahr. Als von Masken und Lockdown keine Rede war und ich stattdessen mit einer kunterbunten Truppe am Christopher Street Day in Frankfurt mitten im Getümmel sein durfte. Wir sind sogar spontan am Ende der Parade mit gelaufen. Mit wehenden Flaggen, und die Leute auf dem Wagen vor uns haben uns ohne zu zögern Wasserflaschen geschenkt, weil es so unerträglich warm war. Auf der Party haben sich dann zwei Freunde von mir mitten auf der Bühne verlobt… mit einer Aktion, die nicht ganz unaufwändig war. Es war einer der schönsten Tage des Jahres.

Sonnige Hitze, hunderttausende Menschen, unfassbare Vielfalt, ein großes Fest der Akzeptanz und der Liebe. Es war ein Event, das man mal erleben sollte.
Leider gab es auch unschöne Szenen … Zum Beispiel bildete sich beim McDoof die typische lange Schlange vor der Damentoilette. An einem Tag wie diesem hätte es egal sein sollen, wer auf welches Klo geht, zumal es echt erdrückend schwül war in dem Gang und jeder so schnell wie möglich da raus wollte. Doch der Typ, der das Kleingeld für die Benutzung eingesammelt hat, hat nicht zugelassen, dass Frauen auf die Herrentoilette gehen. Zumindest nicht, wer nach seiner Ansicht in die Kategorie Frau gehört.
Er rief sogar wütend „Nein, Frau ist Frau und Mann ist Mann“ zurück, wann immer jemand fragte, warum nicht alle Kabinen für jeden freigegeben wurden. Hätte die Filiale an dem Tag nicht wenigstens wen anders dort hin setzen können?

Ein anderer Mann, der zufällig in die Veranstaltung geraten war und sich eigentlich nur Frankfurt anschauen wollte, erklärte, wie verwirrend er das alles fände. „Die ganze nackte Haut heißt für mich eigentlich, dass man angefasst werden will. Aber hier weiß man ja nicht mal, was was ist“, maulte er sinngemäß und hätte sich dafür fast ein paar Ohrfeigen eingeholt – aus mehreren Gründen – wenn die Feiernden nicht ein eher friedliches Völkchen wären, das stattdessen nur über ihn lachte. Er konnte der allgemeinen guten Stimmung nichts anhaben.

Es darf aber nicht vergessen werden, dass der Ursprung der Pride Paraden alles andere als Jubel-Trubel-Heiterkeit war. Hier findet ihr einen Bericht dazu, warum es hierzulande CSD heißt, im Juni stattfindet und was ein Ort namens Stonewall damit zu tun hat: https://www.swr.de/swraktuell/woher-kommt-der-pride-month-100.html

Ich hatte letzen Juni auch ein positives Erlebnis, das gleichzeitig zum Nachdenken anregt:
Als in Köln CSD war, nahm ich nicht aktiv an der Parade teil, sondern war in der Redrum Rockbar, wo ich unter anderem ein Interview aufgenommen habe. Doch ich ging ganz in Lila und mit dem Regenbogen Schriftzug auf meinem Shirt dort hin (ja, ich hab es in Schwarz und Lila xD).
In der Bahn sprach mich ein junger Mann an, ob er auf meinem Zugticket mitfahren könnte und ich sagte direkt ja und unterhielt mich sogar fröhlich mit ihm. Normalerweise wäre ich zögerlich gewesen, da ich es gar nicht mag, allein auf der Straße, auch unter einem Vorwand, von Männern angesprochen zu werden. Aber ich ging irgendwie davon aus, dass er mich für lesbisch hielt. Er hatte demnach wohl wirklich nur das Problem, kein Ticket zu haben und hatte nicht im Geringsten irgendwelche anderen Gründe, mich anzusprechen. Sofort war mein Misstrauen verflogen. Dass er mich so freundlich fragte, sprach in diesem Fall sogar für ihn.

Tun wir Frauen den Männern mit dem Misstrauen manchmal auch Unrecht? Bestimmt. Aber wenn sie offensichtlich nicht aus sexuellen Gründen auf einen zugehen, ist da direkt mehr Entspannung, Offenheit und Vertrauen. Zumindest bei mir.

Bin wohl ein bisschen demi…
Nicht absolut, aber definitiv in dem Spektrum. Denn ich muss jemanden nicht lieben, um ihn sexuell attraktiv zu finden – aber kennen und mögen.

Jeden, den ich jemals interessant fand, war vorher schon ein Freund oder Bekannter. Das bringt ganz eigene Herausforderungen mit sich, aber ich kann es nicht ändern.

Artikel: Was ist demisexuell?

So kann ich zum Beispiel Models auf einem Plakat beim besten Willen nicht attraktiv finden. Ich kann sie optisch schön finden. Aber da kann ich mir auch Blumen angucken. Dating Apps hatten nie einen Reiz für mich (ich nutze sie nicht mal ironisch), Pornos ebenso wenig (ich kenn ja die Leute darin nicht) und wenn meine Mädels auf einen ach so heißen Typen auf der Straße aufmerksam machen, denke ich nur: „Hä?! Kapier ich nicht…“
Ich muss zumindest das Verhalten eines Mannes kennen, die Art, wie jemand spricht, seine Werte und seinen Humor. So kann man vielleicht einen Crush für einen Charakter oder Star entwickeln, aber man wird selten nach rechts swipen … und ich musste gerade googlen, welche Richtung überhaupt was bedeutet. xD

Ob einfach von einem Unbekannten im Club angetanzt werden oder auf Social Media ohne persönliche Verbindung angeschrieben zu werden – in solchen Situationen reagiere ich fast schon aggressiv. Das tut mir leid. Aber ich finde es jedesmal dumm und respektlos und dachte jahrelang sogar, meine Herangehensweise sei die einzig Normale. Bis ich mich mal mit allen Begriffen der LGBT+ Community auseinander gesetzt habe, auch dem Begriff demisexuell.

In diesen Tagen sehe ich meine Freunde auf Instagram, wie sie trotz der aus gutem Grund abgesagten Paraden ihre eigenen Mini-Partys feiern; oder Aktivisten, die auch ohne große Menschenmassen die Botschaften verbreiten, die ihnen auf dem Herzen liegen. Kurz zusammengefasst als:

#loveislove und #lovewins

Für sie alle bin ich gerne ein „straight ally“. Das ist jemand, der selbst heterosexuell ist und sich mit dem Geschlecht identifiziert, mit dem er geboren wurde- der aber trotzdem an der Seite der queeren Community für gleiche Rechte und Respekt kämpft.
Mir liegt viel daran, denn entweder sind es Menschen, die noch Unterstützung brauchen, weil sie Angst haben, sich zu outen. Eine Schande, dass das überhaupt noch eine große Sache ist. Oder ich feiere mit ihnen, weil ich mich für sie freue. Weil ich es cool finde, dass sie so stark sind und so leben, und lieben, wie sie sind. Gegen alle Konventionen. Bunt und anders, aber echt.

Artikel: Was ist ein Ally?

Straight Ally Flag
Demisexual Flag

Bisher fühle ich mich nicht bi- oder pansexuell. Weil noch nie ein tiefer gehendes Interesse da war. Aber ich würde es nicht kategorisch ausschließen und baue gerne enge emotionale Bindungen zu meinen Freundinnen auf, tanze mit ihnen, umarme sie und verteile Küsschen. Aus der puren Motivation heraus: Spread the f*ckin Love! <3

Ich freue mich so unglaublich auf das nächste Jahr, wenn hoffentlich wieder CSDs stattfinden dürfen. Ganz herzliche Grüße gehen bis dahin an alle meine Freunde, die nicht cis und hetero sind. :-*
An alle anderen aber natürlich auch, mit der Bitte, die partyfreie Zeit im Pride Month dafür zu nutzen, sich über die Geschichte hinter der Bewegung zu informieren.

Dies ist mein letzter politisch-gesellschaftlich motivierter Beitrag für die nächsten Wochen. Denn ich möchte auch wieder einfach über Musik und Künstler schreiben. Deswegen zum Schluss noch wie versprochen eine Reihe von Songempfehlungen von LGBT+ Künstlern. Viel Spaß!

Zoom Interview mit LEOPOLD

Ich liebe ja Glam Rock… aber nicht nur wegen des „Rock“, sondern auch wegen des „Glam“!
Geile Shows, Glitzer und knallige Farben, emotionale Musik und eine etwas andere Sicht auf das, was gemeinhin als „männlich“ oder „weiblich“ gilt – all das sind Zutaten, die sowohl im klassischen Glam der 70er und 80er zu finden sind, als auch in der hochmodernen Musik des Künstlers LEOPOLD.

Ich kenne LEOPOLD noch von der Uni und habe seitdem seine Releases und Statements verfolgt. Erst gestern haben er und seine Band ein Jubiläum gefeiert, denn es ist nun genau ein Jahr her, dass die Debut EP „Body Language“ erschienen ist.
Auch wenn unser Interview schon vor etwas längerer Zeit stattgefunden hat und nicht mehr alle Aussagen topaktuell sind, ist heute also der perfekte Tag, dieses schöne Gespräch mit euch zu teilen.

Es ist außerdem ein Beitrag von mir zum Pride Month. Denn LEOPOLD setzt sich mit seinen Songs und Auftritten für die LGBTQ+ Community ein. Lasst uns gemeinsam für mehr Akzeptanz einstehen und das Leben in all seiner Diversität feiern. 🙂 Jetzt wünsche ich euch viel Spaß mit dem Interview <3

Beim Videodreh für den neuen TheOther Song „Turn it Louder“

Seit gestern Abend um 18 Uhr ist es soweit: Das Musikvideo zum neuen Song „Turn it Louder“ von TheOther ist draußen! Der Track gehört zum kommenden Album ‚Haunted‘, das am nächsten Freitag, den 12. Juni erscheint.
Gemeinsam mit ein paar anderen Fans und Freunden der Horrorpunk Band hatte ich die Ehre, beim Videodreh von „Turn it Louder“ dabei sein zu dürfen.

Eigentlich war für das Video ein echtes Konzert geplant. Doch wie wir alle wissen dürfen gerade keine Live Gigs mit Publikum stattfinden. Also wurde improvisiert und im wahrsten Sinne des Wortes aus der Not eine Tugend gemacht. Denn die neue Story zeigt ein Geheimkonzert, das nachts und im Wald stattfindet. Mit Taschenlampen und Mundnasenschutzmasken trotzen die treuen Fans der Pandemie und tanzen sich durch die Apokalypse.

Stattgefunden hat das „Konzert“, bei dem immer der gleiche Song lief (ja, es wurde die Cantina Band zitiert …), im Haus der Naturfreunde Leichlingen. Es hat gut getan, dort am lauen Frühlingsabend mit gleichgesinnten Musikfreunden unter Bäumen die Freigetränke zu plündern. Seit Monaten war es das, was einem echten Konzert oder Festival am nächsten kam. Ich konnte sogar ein paar neue Leute kennen lernen und freue mich, wenn ich mit ihnen irgendwann wieder zu echten Veranstaltungen in der Gegend gehen kann.

Drinnen im Haus hieß es dann Maske auf, Nebel an, Haare schwingen. Immer und immer wieder lief der Song, während Kameramann Christian von der Produktionsfirma Luminage durch die Fanreihen ging oder die Band filmte. Es wurde sehr schnell sehr warm und viele Pausen waren nötig, aber insgesamt hat es mehr Spaß gemacht als anstrengend zu sein.
Letztlich ist es etwas schade, dass jeder einzeln sehr lange gefilmt wurde und alle sich auch richtig viel Mühe bei den Outfits gegeben hatten, man im Video aber kaum etwas davon sieht. Hab mich selbst nur direkt am Anfang (0:10) an der pinken Maske erkannt. Doch unsere zerfetzten Lederklamotten und Co. haben eindeutig für die Atmosphäre geholfen, und es war ein schöner Anlass, mal etwas anderes als Jogginghosen zu tragen.

Außerdem war es cool, so nahe direkt um die Band herumtanzen zu können. Ihnen mit Taschenlampen auf die Instrumente zu strahlen und endlich wieder Party zu machen. Der Song beschert gute Laune und ich bin nun sehr gespannt auf den Rest des Albums. Als einen weiteren Einblick in ‚Haunted‘ könnt ihr euch das Video zu „Dead To You“ anschauen:

Du kennst TheOther nicht oder willst mehr über die Band und ihre einmaligen Shows lesen? Dann schau mal hier:
Halloween in Köln mit TheOther… und ein Mitternachtsdöner
Sleaze Fest 2017 – Die Bands
Im Portrait: Rod Usher von TheOther


Hier noch ein paar Bilder vom „Set“, die ich zum Teil aus unserer Facebook-Gruppe geklaut habe. Credits dafür gehen also an die Band und die Macher des Videos, nicht an mich. Viel Spaß euch allen mit dem Song und Danke an TheOther, dass ich dabei sein durfte!

Gretchenfragen, Köln & Tschernobyl – Interview mit Eugen (Pripjat)

Eigentlich sollte das hier eine weitere Ausgaben der Rubrik „Im Portrait – 10 Fragen an …“ werden. Ein längeres (Video-)Interview war erst für nach dem Lockdown angedacht.

Doch die Antworten von Eugen ‚Dude‘ Lyubavskyy, Gitarrist der Kölner No-Mercy-Showing-Thrash-Metal-Band Pripjat, fielen irgendwie zu gehaltvoll aus, um Teil dieses „mehr oder minder sinnvollen“ Formats zu werden. 😀

Also lehnt euch zurück, nehmt euch ein Bier und genießt stattdessen das interessante Interview in voller Länge. Wer noch mehr Sitzfleisch hat, für den lohnt es sich auch, die Videos der Band anzuschauen oder in Eugens neuen YouTube-Channel hineinzuschnuppern, den er erst während der Quarantänezeit gestartet hat.

Profilbild von Eugen, by „jaka the jackass“

Hallo Eugen, welches Festival wirst du 2020 denn am meisten vermissen?

Grundsätzlich werden sie mir alle fehlen. Auf „A Chance for Metal“ und dem „Trafostation61“ wären wir dieses Jahr Headliner gewesen und beides sind großartige Underground-Events, die von Menschen voller Liebe für die Sache gestemmt werden. Hoffentlich wird beides 2021 nachgeholt. Gleiches gilt auch für das „MISE Open Air“.
Privat wollte ich dieses Jahr zum ersten Mal endlich auf das „Obscene Extreme“ nach Tschechien fahren. Außerdem bin ich fast jedes Jahr auf dem „Death Feast Open Air“. Sie alle werden mir sehr fehlen.

Wie sind die Pläne dieses ungewöhnlichen Jahres für Pripjat?

2019 war ein wahnsinnig beschäftigtes Jahr für uns. Wir haben ununterbrochen gespielt und getourt und dabei auch noch eine EP geschrieben, aufgenommen und herausgebracht.
Dieses Jahr wird es voraussichtlich keine oder kaum Konzerte geben. Wir schreiben also neues Material ohne Druck und bereiten aktuell ein großes und super spannendes Projekt vor, welches es meines Wissens in der Form noch nicht gegeben hat. Dazu kann ich aber noch keine Details nennen.

Was hat es mit deinem YouTube Channel „Der Eugen vom Dach“ auf sich? Bist du aus Langeweile darauf gekommen?

Ich habe angefangen jeden Tag eine 1-Minuten-Story bei Instagram zu posten, einfach als Beschäftigungstherapie. Und mit der Zeit haben mich die Menschen dazu ermuntert, unbedingt weiter zu machen. Also tat ich eben das. Auf dem YouTube Kanal veröffentliche ich dann Sachen, die für eine Story zu lang sind…beispielsweise 90 Minuten lang, wie es direkt bei der zweiten Episode der Fall war 😀
Dass so ein Brecher über die deutsche Metalszene kommt, habe ich selbst nicht erwartet. Es waren eher spontane Gedanken, die ich an diverse Freunde und Bekannte getragen habe. Das Feedback war jedoch umwerfend und so ist diese wirklich schöne Abbildung des Status Quo entstanden. Da kommt ganz sicher auch noch weiteres Material hinzu, welches im kleineren Rahmen mehr in die Tiefe gehen wird, ganz klar.

Zu deinen Videos „Der deutsche Metal Underground vor und nach der Krise“: Mir als Redakteurin fällt auch auf, wie unglaublich viele Musiker sich da draußen tummeln und um Aufmerksamkeit buhlen. Ich frage mal ganz provokant: Fändest du es denn gut, wenn ein paar Acts verschwinden? Meinst du, dann regiert wieder „Qualität vor Quantität“?

Das ist die Gretchenfrage. Grundsätzlich will ich mich auf gar keinen Fall hinstellen und über die Qualität anderer Bands urteilen. Das mache ich im Privaten natürlich schon und finde einige Bands auch eher bescheiden, aber das ist meine subjektive Meinung. Ich denke, dass viele Bands sich eher fragen sollten – was will ich erreichen?
Wenn es euch reicht jahrelang vor 20 Leuten im Laden um die Ecke zu spielen, dann macht das unbedingt. Solange der Spaß da ist, zählt nichts anderes. Wer aber wirklich Ambitionen hat, sollte sich schon ganz ehrlich die Frage stellen – habe ich den Willen das wirklich durchzuziehen? Denn 2020 gehört wirklich NICHTS dazu eine „Band“ zu gründen. Instrumente sind billig, das Netz ist voller Tutorials und durch Bandcamp, Spotify & Co ist es auch kein Ding den eigenen Output der Welt verfügbar zu machen. Aber das macht für mich halt keine Band aus.
Wenn man jahrelang Opfer bei der eigenen Karriere, Finanzen und Privatleben bringt, mit seinen Bandmitgliedern zur verschworenen Familie wird, die zusammen Höhen und Tiefen erlebt haben – dann ist man meiner Meinung nach eine Band. Ein Logo und eine Demo im Netz machen niemanden zu einer Band, wenn du mich fragst. Und genau hier ist es gerade ziemlich schwierig zu unterscheiden. Wie ernst es jemandem mit seiner Musik ist, siehst du nicht im Netz. Ich kenne Veranstalter, die niemanden zu ihren Events buchen, die sie nicht selbst mal live gesehen haben. Das wäre eine Möglichkeit die Spreu vom Weizen zu trennen.

Wir kennen die Situation ja alle recht gut – ein Line-Up mit drei bis vier Bands und bei den ersten zwei steht 80 % der Anwesenden im Hof und raucht sich eine beim Bierchen. Man plant oftmals gar nicht erst, die Vorbands abzuchecken. Das hängt einerseits – hier rede ich speziell von Deutschland – an der sehr großen Konzert-Dichte in den Ballungsräumen zusammen, die zur Übermüdung der Fans führt und andererseits nun mal auch daran, dass Vorbands oftmals qualitativ nicht überzeugen können. Dem hilft auch diese Buy-On-Nummer nicht. Es gibt regelrechte Rundmails von größeren Acts, in denen man sich einen Slot auf ihrer Tour kaufen kann.
2 Wochen Deutschland – 5.000 € und du darfst 20 Minuten eröffnen. 3 Tage Japan – 8.000 € – Flug und Unterkunft on Top. Da ist es scheiß egal wer sich drauf meldet. Wer Cash hat, spielt mit. Das führt dann halt auch mal dazu, dass beschissene Bands mit viel Kohle durch die Gegend tuckern und die Leute mit ihrem Scheiß langweilen. Und die Fans verlieren dann die Lust an den Vorbands. Ein Teufelskreis, den ich gerade stark vereinfacht darstelle, denn sonst müsste man seitenlang darüber schreiben.

Ward ihr als Band Pripjat denn schon mal in der Stadt? Wie ist die Lage dort all die Jahre nach der Tschernobylkatastrophe?

Aktuell brennt Tschernobyl. Es sieht übel aus, die Waldbrände kamen viel früher als sonst üblich. Die Scheiße ist nicht ausgestanden und wird es niemals sein. Strahlung vergisst nicht.

Kiev war vor einigen Wochen die Stadt mit der schlechtesten Luft weltweit. Aus Insiderkreisen weiß ich, dass man den Feuerwehrleuten befohlen hat, sich auf die Brände Richtung Kiev zu fokussieren, um einen Medienaufschrei zu verhindern. Die gleiche Scheiße wie zur Sovjetzeit. Deswegen ist der Brand fast unkontrolliert bis zu alten Depots mit radioaktivem Abfall in der Zone vorgedrungen.
Es gibt Bilder, wie sich die Feuerwehrjungs weinend zu Boden werfen als es anfängt zu regnen. Offenbar hat es nicht viel gefehlt und Kiev wäre wieder verstrahlt worden. Dies kann aber täglich geschehen. Uns steht ein weiterer Rekordsommer bevor. Wir selbst waren nicht vor Ort. Ich weiß auch nicht, ob ich es möchte. Es wurde eine regelrechte Tourismusindustrie drumherum entwickelt und dies ist nicht was ich suche. Ich könnte mir aber einen illegalen Trip mit lokalen Stalkern vorstellen. Aber da spreche ich nur für mich 😉

Fans welcher anderen Bands sollten euch unbedingt mal hören?

Puh, da sagt jeder was anderes. Was ich schön finde, ist, dass nach unseren Gigs wirklich regelmäßig Menschen zu uns kommen und sagen „Ich höre sonst gar keinen Thrash, aber das war verdammt geil und unerwartet.“

Live sind wir eine Band mit sehr viel Energie und Authentizität, zumindest wollen wir so rüberkommen. Und wir machen auf den Alben eine Entwicklung durch. Unser Debüt „Sons Of Tschernobyl“ geht ganz klar Richtung Oldschool und bedient vermutlich die alten Hasen aus der Kreator, Slayer, Sodom und Megadeth Fraktion. Unser zweites Album „Chain Reaction“ ist um einiges „erwachsener“ und durchdachter, eher Metallica, wenn es um das ausgefeiltere Songwriting geht. Und die aktuelle EP „A Glimpse Beyond“ orientiert sich an Voivod, Vektor und Coroner. Wir möchten nicht als Oldschool-Nostalgie-Thrasher wahrgenommen werden, denn das ist lediglich eine Facette von uns.

Ich möchte nochmal ein bisschen provozieren: Wenn man politische Themen ansprechen will, wäre es dann nicht taktisch cleverer in einer klarer verständlichen Stimmlage und Musikrichtung zu singen? Ohne Lyrics vor der Nase versteht man bei so vielen härteren Spielarten die Message nicht… warum denkst du, machen das trotzdem so viele? 😀

Och, das gehört halt zum Metal dazu. Natürlich bin ich als derjenige, der die meisten Lyrics bei uns schreibt, sehr darauf bedacht, dass die Message stimmt. Für mich sind Texte immer sehr, sehr wichtig. Aber man kann sie ja immer nachlesen und danach versteht man es auch besser. Aggressive Musik braucht aber aggressiven Gesang. Ob man jetzt eher Hetfield oder Araya macht, liegt an der Ausrichtung aber auch an der Stimme des Sängers. Und Kirill ist halt unser hysterischer Kreischer, wobei auch er eine Entwicklung durchmacht, die mir sehr gut gefällt. Es ist halt extreme Musik, keine Literaturstunde 😉
Aber das ist eine gute Frage, klar. Vieles schreibe ich bewusst für die Tonne, da ich weiß, dass man den Text so niemals wird raushören können. Wem die Message aber wichtig ist, wird sich da schon reinfuchsen. Ich mache es bei anderen Bands ja auch. Beispielsweise finde ich Primordial, Lamb of God und Pain of Salvation allesamt Bands, die auf eine sehr unterschiedliche Art und Weise ganz große Lyrik in ihrer Musik haben und ich beschäftige mich auch recht ausführlich damit.

Was gefällt dir gut an Köln?

Hässlich, aber herzlich. Ich könnte weit ausholen aber unter dem Strich sind es die Menschen und die wirklich entspannte und liberale Art, die ich so sehr liebe. Für eine Millionenstadt ist es relativ dörflich hier. Es ist meine Wahlheimat und ich hatte hier ganz klar die bisher schönste Zeit meines Lebens. Leben und leben lassen und „Jeder Jeck is anders“ wird hier größtenteils wirklich gelebt. Ich mag auch den Karneval. Klar ist das irgendwo primitiv, aber wir Menschen brauchen Exzesse. Und es ist doch toll, wenn die Menschen eine Woche lang miteinander feiern und albern sind als gegen jemanden in einen scheiß Krieg zu ziehen, oder? Das ist unser Purge. Und vermutlich einer der Gründe für die Toleranz Kölns. Nicht umsonst haben wir hier auch eine der größten LGBT Szenen Europas. Und ich finde das ganz wunderbar.

In Deutschland könnte ich mir neben Köln nur noch Berlin, Hamburg und evtl. Leipzig als Wohnorte vorstellen. Alles andere ist mir zu konservativ, in München wäre ich vermutlich nach zwei Tagen hinter Gittern, ohne mich hier als Bad Boy aufzuspielen. Aber ich komme einfach nicht auf diese ganze Bayern-Scheiße klar, auch wenn wir dort wundervolle Fans und Freunde haben. Aber mit der CSU kannst du mich genauso jagen wie mit der AfD.

Was gefällt dir nicht gut an Köln?

Es wurde hart zerbombt und entsprechend gibt es nicht so viele schöne Ecken wenn es um zusammenhängende Architektur geht. Der Dom ist sicherlich mit das schönste Gebäude der Welt, aber das wärs auch schon fast. Die Gentrifizierung macht auch vor Köln nicht halt und das beobachte ich mit Sorge. Mein geliebtes Ehrenfeld hat man zugunsten teurer Mittelstandswohnungen geopfert. Außerdem ist es richtig scheiße zum Fahrradfahren hier. Ich bin eh ein totaler Gegner der deutschen Autolobby, die sich in der Stadtplanung niederschlägt. Privatfahrzeuge haben meiner Meinung nach nicht in einer modernen Innenstadt zu suchen. Da schaue ich immer neidvoll Richtung Niederlande. Die machen es genau richtig.

Und was ist dein Lieblingsfabelwesen?

Vermutlich würde ich täglich anders darauf antworten. Gerade denke ich an den Steinefresser aus der Unendlichen Geschichte. Es gibt eine Stelle am Ende des Films, als das NICHTS schon ganz nahe ist. Und er sitzt irgendwo am Weg, schaut auf seine riesigen Hände hinunter und sagt etwas wie „Das sind große und starke Hände. Aber sie können hier nichts ausrichten.“
Und für mich ist es eine Metapher, an die ich sehr oft denken muss. Es gibt immer etwas, das über einem steht und es ist egal wir erfolgreich man ist oder stark oder schön oder reich – manche Mechanismen gelten für uns alle uns dem müssen wir uns einfach fügen. Eine Lektion in Demut.

PS: Auf ihrer Facebook Infoseite steht, der Geschäftsführer der Band sei Ozzy.
Verschwörungstheoretiker – ready, set, go! 😉 🦇

„Mein Kinderzimmer war eine Backstage Party“ – ein Abend mit John Diva

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John Diva, ein Glam-Sänger, wie er im Bilderbuch steht, und seine liebenswerten Rockets of Love sind schon eine Weile auf Konzertbühnen unterwegs. Bisher waren sie aber nur für ihre unterhaltsamen Cover Rock Shows bekannt. Jetzt – am 8. Februar – haben sie ihr erstes eigenes Album mit selbst geschriebenen Songs veröffentlicht. Die Platte heißt „Mama Said Rock Is Dead“ und ist gleich in mehrere Charts eingestiegen. Mehr davon im Video-Interview.

Am Freitag stellte die Band die neuen Songs bei einer Releaseparty in Hagen vor. Gestern waren sie dann im Rex in Bensheim. Obwohl ich – mit Unterbrechungen – mein ganzes Leben zwischen Odenwald, Bergstraße und Pfalz verbracht habe, war ich noch nicht im Rex gewesen. Dabei ist es eine ziemlich coole Location. Die Show war sogar ausverkauft. Um ein Haar wären wir nicht mehr rein gekommen. Danke nochmal an Simone, dass alles noch geklappt hat! Wir haben uns sehr gefreut.

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Das Interview

Es war mein Wunsch, die Jungs möglichst kurz vor der Show zu interviewen. Denn dann sind Soundcheck, Abendessen, Make-up und so weiter erledigt und die Stimmung steigt. Dass es dann so abrupt enden musste, weil wir doch etwas überzogen hatten, ist schade. Doch das ist nunmal Rock’n’Roll. 😀 Es war außerdem unglaublich warm in dem Raum da hinten, und alles war voll mit interessanten Stage Outfits. John und Gitarrist Snake Rocket erzählen über die Veröffentlichung, von der Show in Hagen, von Videoproduzenten mit lustigen Namen, Party machenden Mamas, Spaghetti Western-Drehoten und vom edelsten Tier der Welt. Viel Spaß!

Die Show

Die Show war eine Mischung aus eigenen Songs und „Klassikern“. Gemeint sind damit die inoffiziellen „Top 40 of Rock Classics“… die Songs also, die alle Generationen kennen, die alle verbinden und die wunderbar sind, um zwischendrin die Stimmung anzuheizen. Die Mischung mit ihren eigenen Stücken (die vom Sound wunderbar in die Top Hits Liste rein passen) ist hoffentlich das, wofür John Diva & the Rockets of Love in Zukunft bekannt sein werden.

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Die Jungs haben eine schlaue Nische gefunden: Sie sind spaßig, mainstream und kommerziell genug, um jeden zum Rocken zu bringen; aber auch gut und authentisch genug, um von den meisten Kennern geliebt zu werden. So gemischt sah es auch im Publikum aus. Jeder, der irgendwie gerne Rock hört und ein bisschen unterhalten werden wollte, konnte sich mit Bier, Cola oder Sekt an einen der Stehtische lehnen. Zwischendrin standen Leute mit Jeansweste, Bandanas, Cowboy Boots und Co. Es herrschte eine lockere Atmosphäre. Immer mal wieder hörte man jemanden Lachen. Bei den Klassikern waren alle textsicher.

Die Band spielte, wie meistens anscheinend, ohne lokale Vorband. Feuerwerk und Cheerleader gab es bei dieser Show auch nicht. Bühne zu klein. Dafür waren die Zuschauer direkt am Geschehen. Auf der Bühne standen außer Frontsau John die Gitarristen Snake Rocket und JJ Love, Bassist Remmie Martin und Schlagzeuger Lee Stingray. Snake ist der erste Musiker, den ich mit Slytherin Backpatch auf der Bühne gesehen habe … Remmie und JJ machten auf ihrer Seite der Bühne regelmäßig irgendwelche Dance Moves und Faxen miteinander. Letzerer trug außerdem einen eindeutigen Anti-Trump-Button an seinem Gitarrengurt. Lee, der im Hintergrund auf einem durchsichtigen, gut ausgestatteten Schlagzeug herumtrommelte, saß irgendwann ohne T-Shirt da. Was hat es mit den Drummern auf sich, dass sie irgendwann immer halb nackig sein müssen? xD Beim Gitarrespielen wird es doch auch warm, oder?

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John trat mit seiner funkelnden Pailettenhose auf. Irgendwann wurde Martina, die neben mir stand und sich an dem Abend als exzellente Kamerafrau bewiesen hatte, ganz aufgeregt: Die Diva vom Dienst trat mit einer weißen „Hose“ mit Strasssteinen auf. Es war weniger eine Hose, sondern mehr über die Beine gezogene Stulpen. Vorne und hinten guckten noch goldene Pailetten heraus. Und irgendwann zog John den Reißverschluss auf der Bein-Innenseite auf und machte eine Art Hosenstriptease. Martina fand das deswegen so cool, weil sie selbst leidenschaftlich gerne ausgefallene Kleidungsstücke gestaltet. „Das muss ich mir merken!“, lachte sie. Gut, zeig uns mal deine Kreation, sobald sie fertig ist! 😉

Mir gefielen die rießigen Pfauenfedern bei der Zugabe fast noch besser. John und Snake haben Recht, es gibt kaum ein Tier, das stärker auffällt und schimmernder ist. Nicht erst das Ende, bei dem „Don’t Stop Believin“ von Journey nicht fehlen durfte, musste ich bei Johns Show an Rock of Ages und Stacee Jaxx denken. Gemischt mit Bret Micheals, Axl Rose, David Lee Roth und wie sie alle heißen. Sogar Joan Jett hatte ihre Hand, oder besser gesagt ihre Stimme im Spiel. Ich war überrascht, denn hier lagen Cover und Original vom Klang sehr nah beieinander.

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Nach der Show, bei der überzogene Gitarrensoli und „Duelle“, ein Schlagzeugsolo mit bloßen Händen und viel Tamtam nicht fehlen durften, strömte die eine Hälfte sofort nach Hause. Die andere wartete, bis die Jungs zum Merch kamen – und da war dann die Hölle los. Es herrschte mehr Gedrängel und „ich will auch ein Autogramm!“-Gehabe als auf den großen Festivals, wo viel mehr junge Leute auf viel größere Acts warten. Da merkt man wieder: Rock hält jung im Herzen. \m/

Das Fazit

John Diva und seine Jungs riskieren tatsächlich etwas, wenn sie im Jahr 2019 ein reines, waschechtes Hair Metal Album ohne die Steel Panther-Ironie herausbringen. Gleichzeitig füllen sie eine Marktlücke und zeigen, dass es noch Musiker gibt, die was drauf haben, professionell unterwegs sind und die dieses Genre in die Gegenwart mitnehmen können, ohne abgenutzt zu wirken.
So, if you (wanna) love Glam, go and watch this band!

PS: Ich sollte allen Freunden aus Hamburg und Berlin empfehlen, am 12. und 13. Februar in die Akustik Shows in den Hard Rock Cafés zu gehen. Also bitte, geht da hin! 😛

PPS: Ich würde ihnen empfehlen, die Single „Just A Night Away“ als 3. Video zu nehmen. Zwei Powersongs, eine Ballade als Auskopplung. So sagt es ein ungeschriebenes Rock-Gesetz.

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Die Musik

Was ist eigentlich Visual Kei? – Interview mit Todora

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade „Faszination Asien“ von Michelle und The Road Most Traveled. Lies mehr über den spannenden Kontinent auf ihrem Blog. 

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Geschminkte Jungs aus Japan, die kaum von Mädchen zu unterscheiden sind und trotzdem nur Krachmucke machen.
So oder so ähnlich dürften sich viele das Phänomen Visual Kei vorstellen.

Kurz vor Weihnachten überkam mich ein komischer Schub. Plötzlich interessierte ich mich für alles, was Japanische Mode- und Lifestyle-Formen betraf. Die Harajuku Welt, Decora, Lolita und eben Visual Kei. Auf meinen Streifzügen durch YouTube, immer auf der Suche nach der nächsten coolen Doku oder einem sonstigen Beitrag, stieß ich auf den Channel TODORA.

Todora (auf Instagram Takatodora) ist eines der wenigen Deutschen „Visual Kei Fangirls“, das öffentlich über die Szene und Musiker spricht. Denn hierzulande hat das Genre eher einen untergeordneten Stand. Umso spannender fand ich es, der YouTuberin ein paar Fragen über die Szene zu stellen, denn ihr Blick kommt dadurch gleichzeitig von innen sowie von außen.

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The Gazette – Die derzeit einflussreichste Band des Genres

Hi Todora 🙂 Was heißt überhaupt Visual Kei?

Visual Kei ist der Oberbegriff für Rockbands aus Japan, bei denen neben der Musik auch sehr viel Wert auf Makeup und Mode gelegt wird. Das Kei wird gerne fälschlicherweiße als „Stil“ übersetzt, tatsächlich steht es aber für System bzw. Herkunft/Familie.

Die alte Frage: Wer oder was hat dich zuerst von diesem Stil fasziniert? Wodurch bist du da reingeraten?

Sailor Moon hat mein Interessse an Japan geweckt, durch diverse Anime Openings kam dann das Interesse and der Musik hinzu. Leider hatte ich kein Internet und konnte lange Zeit nicht danach suchen, aber glücklicherweiße gab es mal einen Hype durch den auf Viva ein „J-Rock Special“ ausgestrahlt wurde, auf das ich dann beim Zappen stieß. Seitdem bin ich eisern dabei.

Und wie und warum hast du mit YouTube angefangen?

Mit YouTube hab ich eigentlich nur angefangen um mich von meiner Depression abzulenken haha.. So konnte ich endlich über das reden was mir so wichtig aber doch so weit weg war.

https://www.instagram.com/p/BqunBWgl-nx/

Um was geht es so auf deinem Channel?

In meinem Channel ging es die letzte Zeit hauptsächlich um Missstände innerhalb der Fanbase. Ich mache aber auch Vorstellungen zu neuen oder unbekannten Bands, um welche ich mich in Zukunft wieder mehr kümmern möchte.

Auf welchen Veranstaltungen trifft man dich jedes Jahr?

Mich trifft man jedes Jahr auf der Leipziger Buchmesse oder natürlich auf meinen J-Style Treffen. Alles andere ist schwer planbar aber ich versuche möglichst viele Cons, hauptsächlich die im Osten zu besuchen. Hier geht’s zum Treff!

Was sind 3 gängige Fehlannahmen über Visual Kei, wie z. B. bei Metallerin, dass das alles Satanisten seien?

  1. Die sind doch alle schwul!
  2. Die können nur gut aussehen und haben keinen Plan von Musik!
  3. Alle Fans sind herablassend, es sei denn du bist einer Ihrer hübschen Lieblingssänger!

Wie könnte man den zu Visual Kei gehörenden Musikstil beschreiben? Gibt es Paradebeispiele? Mit welchen Genres gibt es Überschneidungen?

Der Musikstil ist schwer zu beschreiben, da Visual-Rock wie Goth oder Metal nur ein zusammenfassender Oberbegriff ist und aus sehr vielen Genres Einflüsse kommen, Momentan haben wir zum Beispiel einen starken Trend hin zu Metalcore oder Djent-lastigen Bands. Vielleicht lässt sich das ganze aber gut als Glam-Metal beschreiben. Nichtsdestotrotz folgen die meisten Bands einem gängigem Muster um die Songs Furitsuke-tauglich (Choreografie aus Handbewegungen, Headbangen und Tanzen der Fans auf Konzerten ) zu machen. Ein Paradebeispiel wäre wohl the Gazette, da sie die derzeit erfolg- und einflussreichste Band des Genres sind.

Wie eng ist all das mit Japan verbunden? Gibt es andere Länder, aus denen viele gute Acts kommen?

Visual Kei ist eng mit Japan verbunden, aber nicht sonderlich angesehen. Es gibt beispielsweiße Bands wie Kiryu, die sich sehr am traditionellem Japan orientieren. Auch denke ich nicht, dass es Visual Kei außerhalb Japans in der gleichen Form geben könnte, allein schon aufgrund der komplett anderen Mentalität der Fans, die wirklich eine Sache ist, die man erlebt haben muss um sie zu verstehen und zu lieben. Viele Bands außerhalb Japans gibt es aber leider nicht, was wohl mit daran liegt, dass sehr viele Elitisten der Meinung sind, man dürfe nur „Visual Kei sein“ wenn man auch Japaner ist (auch wenn ironischer Weiße bei jedem anderem asiaten gerne mal ein Auge zugedrückt wird). Tatsächlich kenne ich mich mit westlichen Visual Kei Bands aber weniger aus, oder es gibt sie tatsächlich nicht.. Die besten und meisten westlichen Bands kommem aber wohl aus Deutschland und Schweden. Ein sehr angesehener Act kommt auch aus Süd-Korea, dort gibt es mittlerweile sogar eine K-Pop Agency die eine Visual Kei Band zusammen gestellt hat.

Was ist dein Lieblingsfilm?

Ich bin kein wirklicher Filmmensch aber ich mag Leś Miserables sehr gerne.

Was wünschst du dir für 2019?

Wirkliche Wünsche habe ich für 2019 nicht, ich lasse die Dinge lieber auf mich zukommen. Allerdings will ich mich einmal am Führerschein versuchen haha!


 

Vielen Dank für deine Auskunft 😉
Folgt Todora auf Youtube und Instagram!

https://www.instagram.com/p/BphVn7KFWrj/